Repräsentationsaufwand

1105
 Bild: Gerhard Gellinger/pixabay.com
Bild: Gerhard Gellinger/pixabay.com

In einem Beschluss vom 21.3.2019 (VIII B 129/18) hat sich der BFH zur Abziehbarkeit von nicht eindeutig zuordenbaren Aufwendungen geäußert. Konkret ging es um Kosten für mehrere Kanzleifeste, die jeweils im Garten des Privathauses von einem der Kanzleipartner veranstaltet wurden. Bei diesen Festen wurden jeweils bis zu 358 Gäste mit Gesamtkosten zwischen 20.500 Euro und 22.800 Euro unterhalten und bewirtet. Die Kosten je Teilnehmer betrugen zwischen 58 Euro und 64 Euro. Eingeladen waren Mandanten, mögliche Neu-Mandanten und Geschäftsfreunde. Zunächst wurden die Kosten als unangemessener Repräsentationsaufwand insgesamt vom Betriebsausgabenabzug ausgeschlossen (FG Düsseldorf, Urt. v. 19.11.2013 – 10 K 2346/11 F). Nach Ansicht des BFH (Urt. v. 13.7.2016 – VIII R 26/14) war nicht erkennbar, ob ein besonderes qualitatives Ambiente oder ein besonderes Unterhaltungsprogramm geboten wurde, so dass der Ausschluss des Betriebsausgabenabzugs unzutreffend war. Im zweiten Rechtsgang (Urt. v. 31.7.2018 – 10 K 3355/16 F, U) ist das FG Düsseldorf nicht mehr von einem unangemessenen Repräsentationscharakter ausgegangen. Die Aufwendungen wurden im Umfang der tatsächlichen Aufwendungen von rund 60 Euro je Teilnehmer anerkannt, der betrieblich veranlasste Teil wurde mit 50 % geschätzt. Gegen diese Entscheidung haben sowohl Kläger als auch Beklagter beim BFH Nichtzulassungsbeschwerde eingelegt. Nach dem eingangs genannten Beschluss des BFH sind anteilig beruflich veranlasste Kosten, die ohne Zweifel bestehen, aber nach Ausschöpfung der im Einzelfall angezeigten Ermittlungsmaßnahmen nicht eindeutig quantifiziert werden können, unter Berücksichtigung aller maßgeblichen Umstände zu schätzen. Das gilt auch, wenn weder eine abschließende Beurteilung möglich ist, welche der eingeladenen Personen tatsächlich erschienen sind, noch bei welchem Gast aufgrund der bestehenden persönlichen und geschäftlichen Beziehungen von einer überwiegend beruflich veranlassten Einladung auszugehen ist.

Das Arbeitsrecht unterliegt dem ständigen Wandel der Rechtsprechung. Handwerkliche Fehler sind teuer und vermeidbar. Personalverantwortliche müssen dafür die aktuellen Entwicklungen im Auge behalten.

Sandra Peterson

Sandra Peterson
Steuerberaterin, Referent Lohnsteuer, ZF Group, München
AnhangGröße
Beitrag als PDF herunterladen130.98 KB

◂ Heft-Navigation ▸

Artikel Repräsentationsaufwand
Seite 42
Frei
Bild Teaser
Body Teil 1

§ 4 Abs. 9 EStG bestimmt, dass Aufwendungen des Steuerpflichtigen für seine Berufsausbildung oder sein Studium nur dann Betriebsausgaben

Frei
Bild Teaser
Body Teil 1

Mit Urteil vom 28.4.2020 (VI R 41/17) bestätigt der BFH seine Rechtsprechung zur Ermittlung der Freigrenze für Betriebsveranstaltungen bis