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 Bild: FBV Verlag
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Lesedauer: ca. 3 Minuten

The Technological Republic

Über die Macht des Silicon Valley und die Zukunft des Westens. Der Palantir-Gründer über die Tech-Industrie, Innovationen, Wirtschaft & Geopolitik

Alexander C. Karp/Nicholas W. Zamiska, Finanzbuch Verlag, München 2025, 320 Seiten, Preis: 22 Euro

Von den Erfolgen von Palantir auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz reden jetzt alle. Und Alexander C. Karp, CEO dieses Unternehmens, sowie Nicholas W. Zamiska beginnen ihre Streitschrift mit einem Goethe-Zitat. Das markiert den Anspruch: Das Buch will nicht nur über digitale Technologien informieren, sondern eine politische und kulturelle Selbstbesinnung des Westens anstoßen.

Im Zentrum steht eine scharf gezeichnete Diagnose. Nach Karp und Zamiska hat sich das Silicon Valley in den USA von den großen öffentlichen Aufgaben verabschiedet. Während Technologieunternehmen und Staat im 20. Jahrhundert bei kriegsentscheidenden und später gesellschaftsprägenden Innovationen zusammenwirkten – die Autoren nennen Atomwaffenforschung und Internet – dominiere heute die Entwicklung konsumorientierter Anwendungen. An die Stelle eines politischen und gesellschaftlichen Auftrags seien Foto-Apps, Werbealgorithmen und kurzfristige Geschäftsmodelle getreten. Zugleich habe der Staat die Fähigkeit verloren, komplexe technologische Vorhaben zu konzipieren und umzusetzen.

Die Kritik richtet sich nicht nur gegen staatliche Schwerfälligkeit, sondern auch gegen ein enges Verständnis von wirtschaftlichem Erfolg. Ingenieure und Gründer, so die Autoren, sollten ihr Können nicht vorrangig der Steigerung von Komfort oder Aufmerksamkeit widmen, sondern Problemen der Verteidigungsfähigkeit und des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Karp und Zamiska werben für eine erneuerte Zusammenarbeit von Staat und Technologieunternehmen. Im Zeitalter künstlicher Intelligenz ist dies nach ihrer Auffassung Voraussetzung für handlungs- und konkurrenzfähige westliche Demokratien.

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Kulturpolitisch kritisieren sie, dass sich die technologische Elite vom Staat und der Frage nach gemeinsamer nationaler Identität entfernt habe. Dem setzen die Autoren den Entwurf einer „Technologischen Republik“ entgegen, in der technisches Können, demokratische Überzeugungen und öffentliche Verantwortung zusammenfinden. Dass das Literaturverzeichnis dabei so unterschiedliche Referenzen wie Erich von Ludendorffs Der totale Krieg (1940) und Jürgen Habermas’ Legitimationsprobleme im Spätkapitalismus (1973) vereint, zeugt von der Weite des intellektuellen Horizonts. Die Perspektive aber bleibt zugespitzt.

Für Personalverantwortliche entscheidend ist eine Frage, die über die Verteidigungsindustrie hinausweist: Welche Richtung gibt eine Organisation hochqualifizierter technischer Arbeit? Wer (digitale) Fachkräfte gewinnen und halten will, wird sich nicht dauerhaft auf Vergütung, Flexibilität und attraktive Arbeitsbedingungen beschränken können. Wissensintensive Arbeit verlangt Sinn, Verantwortung und eine nachvollziehbare gesellschaftliche Wirkung. In der betrieblichen Praxis bedeutet dies, den Einsatz von KI und datenintensiven Systemen nicht allein technisch oder wirtschaftlich zu begründen. Unternehmen müssen den Sinn und Zweck ihrer Innovationen transparent machen. Das ersetzt keine rechtlichen und ethischen Grenzen; es erweitert die Debatte um die Frage, welchem Auftrag Innovation dienen soll.

Das Buch ist keine ausgewogene Analyse des Verhältnisses von Staat und Wirtschaft. Als führende Vertreter von Palantir argumentieren die Autoren aus der Perspektive eines Unternehmens, das mit staatlichen Sicherheitsbehörden eng zusammenarbeitet. Diese relative Einseitigkeit schwächt aber nicht die Relevanz der Grundfrage. The Technological Republic ist ein streitbares, gut lesbares Plädoyer dafür, Technologie nicht als Selbstzweck oder Konsumgut, sondern als Teil der Verantwortung für das Gemeinwesen zu begreifen.

Dr. Jan Tibor Lelley

Dr. Jan Tibor Lelley

Rechtsanwalt, Fachanwalt für Arbeitsrecht
Dieser Artikel im Heft

The Technological Republic

Seite
62
bis
62