Anhörung arbeitsunfähig erkrankter Arbeitnehmer

§ 626 Abs. 2 BGB

1. Die Aufklärung des zur Kündigung veranlassenden Sachverhalts muss mit der gebotenen Eile durchgeführt werden. Dazu gehört auch die vor jeder Verdachtskündigung erforderliche Anhörung des Arbeitnehmers, die grundsätzlich innerhalb einer Woche erfolgen muss.

2. Während der Dauer einer krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit ist eine Kontaktaufnahme nur begrenzt zulässig.

3. Innerhalb von drei Wochen sollte der Arbeitgeber aber versuchen, mit dem erkrankten Arbeitnehmer Kontakt aufzunehmen, um die Möglichkeit einer Stellungnahme zu klären, wozu er eine Erklärungsfrist setzen kann.

(Leitsätze des Bearbeiters)

BAG, Urteil vom 11.6.2020 – 2 AZR 442/19

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Bild: Kzenon/stock.adobe.com
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Problempunkt

Die Arbeitgeberin hatte einem bei ihr seit dem Jahr 2000 als Hausmeister beschäftigten Arbeitnehmer außerordentlich fristlos gekündigt. Bei der jährlichen Kontrolle der Telefonrechnungen stellte sie am 23.2.2018 fest, dass über einen Zeitraum von etwa sechs Wochen im Sommer 2017 über zwei Anschlüsse insgesamt über 2.756 Mal kostenpflichtig eine Glücksspiel-Hotline angerufen wurde. Diese Anrufe wurden über die Anschlüsse des Arbeitnehmers und eines Kollegen getätigt.

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Volker Stück

Volker Stück
Rechtsanwalt, Bonn

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Artikel Anhörung arbeitsunfähig erkrankter Arbeitnehmer
Seite 55
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Kann der Arbeitgeber die Arbeitnehmer einseitig anweisen, ab sofort wieder ausschließlich im Büro zu arbeiten?
Grundsätzlich ja. Dem Arbeitgeber