Arbeitnehmerstatus eines Crowdworkers

§ 611a BGB

Die kontinuierliche Durchführung einer Vielzahl von Kleinstaufträgen („Mikrojobs“) durch Nutzer einer Onlineplattform („Crowdworker“) auf der Grundlage einer mit dem Betreiber („Crowdsourcer“) getroffenen Rahmenvereinbarung kann im Rahmen der nach § 611a Abs. 1 Satz 5 BGB gebotenen Gesamtbetrachtung zur Annahme eines Arbeitsverhältnisses führen, wenn der Crowdworker zur persönlichen Leistungserbringung verpflichtet ist, die geschuldete Tätigkeit ihrer Eigenart nach einfach gelagert und ihre Durchführungen inhaltlich vorgegeben sind sowie die Auftragsvergabe und die konkrete Nutzung der Onlineplattform im Sinne eines Fremdbestimmens durch den Crowdsourcer gelenkt wird.

(Leitsatz des Gerichts)

BAG, Urteil vom 1.12.2020 – 9 AZR 102/20

1106
Bild: beeboys/stock.adobe.com
Bild: beeboys/stock.adobe.com

Problempunkt

Die Beklagte kontrolliert im Auftrag ihrer Kunden die Präsentation von Markenprodukten im Einzelhandel und an Tankstellen. Sie lässt diese Arbeiten durch Crowdworker ausführen. Aufgrund einer Rahmenvereinbarung werden den Crowdworkern jeweils über eine eigene Onlineplattform oder App verschiedene Mikrojobs angeboten, ohne vertraglich zur Übernahme einzelner Aufträge verpflichtet zu sein. Übernommene Aufgaben müssen regelmäßig innerhalb von zwei Stunden nach den detaillierten Vorgaben des Crowdsourcers abgearbeitet werden, ansonsten ist der Auftrag verloren und wird nicht vergütet.

Weiterlesen mit AuA-PLUS

Um den kompletten Artikel zu lesen benötigen Sie AuA-PLUS.

 

Falls Sie Fragen zu unseren Produkten oder Ihrem Bezugsstatus haben, können Sie unseren Leserservice kontaktieren »

Volker Stück

Volker Stück
Rechtsanwalt, Lead Expert Arbeitsrecht und Mitbestimmung, BWI GmbH, Bonn

· Artikel im Heft ·

Arbeitnehmerstatus eines Crowdworkers
Seite 54
Whitepaper cover
Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat
Nach der Betriebsratswahl
  • Nichtigkeit und Anfechtbarkeit der Wahl
  • Konstituierung des neuen Betriebsrats
  • Kosten des Wahlvorstands
  • Bildung von Ausschüssen
  • Freistellungsanspruch der Betriebsratsmitglieder
Schulungsanspruch des Betriebsrats
  • Rechtliche Einordnung
  • Einführung in die Grundlagen
  • Erforderlichkeit der Grundlagenschulungen
  • Erforderlichkeit von Spezialseminaren
Betriebsrat und Datenschutz
  • Beachtung datenschutzrechtlicher Grundsätze der BR-Arbeit
  • Rechtschutzmöglichkeiten der Arbeitgeberseite
  • Auskunftsersuchen nach Art. 15 DSGVO
  • Maßstab des Datenschutzes für den Betriebsrat
  • Unterstützung nach §79a S. 3 BetrVG
  • Inhalt der Unterstützungspflicht des Betriebsrats
  • Welche Informationen muss der Betriebsrat preisgeben?
  • Unterstützungspflicht vs. Verschwiegenheitspflicht
Sozialplan: Muss ein Betriebsrat schon bestehen?
  • Im Interview mit Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Christoph Kurzböck zur Rechtsprechung des BAG zur Voraussetzung eines bestehenden Betriebsrats bei Aufstellung eines Sozialplans bei der Planung der Betriebsänderung.

 

Online-Seminar
17.5.22, 10:00-11:30 Uhr
New Work: flexibel Arbeiten
New Work: flexibel Arbeiten
Betriebsvereinbarung für Sabbatical und Co.
  • Das Modell der Wertkonten bietet Arbeitnehmern die Option, sich selbstfinanzierte längere Auszeiten während des Arbeitsverhältnisses zu ermöglichen. Der größte Vorteil des Modells ist, dass die Arbeitnehmer über die gesamte Freistellungsphase im bestehenden Arbeitsverhältnis bleiben und Sozialversicherungsschutz genießen. Jedoch bedürfen diese Modelle auch immer einer vertraglichen Grundlage. 
  • Inklusive Musterbetriebsvereinbarung
KI in der Arbeitswelt 
  • Die Debatte, ob Googles Sprach-KI LaMDA ein Bewusstsein entwickelt hat, entfachte kurzzeitig erneut die Diskussion um den breiten Einsatz von „künstlicher Intelligenz“. Was, wenn diese Algorithmen tatsächlich ein Bewusstsein entwickeln? Welche Potenziale und welche Gefahren können in diesen Technologien lauern? Was bedeutet das für Personalbereiche?
Arbeiten unter Palmen
  • „Work from anywhere“ ist ein attraktives Modell für viele Mitarbeiter. Die Unternehmen, die es ihren Beschäftigten ermöglichen, überall zu arbeiten und damit auch Job und Urlaub zu verbinden, können daher bei Fachkräften punkten. In der Praxis gibt es jedoch einige Risiken.
Nachhaltig, motivierend und compliant 
  • Environmental Social Governance (ESG) ist das Trendthema für HR und Arbeitsrecht 2022. Die stetig zunehmenden regulatorischen Anforderungen, zuletzt durch die EU-Nachhaltigkeitsrichtlinie (Corporate Sustainability Reporting Directive, CSRD), sowie ein sich veränderndes Marktumfeld machen die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten in allen personalpolitischen Bereichen alternativlos – insbesondere und auch hinsichtlich der Gestaltung von Vergütungssystemen.
  • Inklusive Checkliste
Hybride Teamarbeit
  • Das hybride Arbeiten ist aus dem Arbeitsalltag vieler Unternehmen nicht mehr wegzudenken. Doch diese Arbeitsform stellt Führungskräfte und Mitarbeiter vor neue Herausforderungen. Worauf kommt es bei der Gestaltung der Zusammenarbeit an?
Homeoffice statt Änderungskündigung bei Betriebsverlegung?
  • Kann im Fall einer Betriebsverlegung das Angebot eines Homeoffice-Arbeitsplatzes eine Änderungskündigung ersetzen, insbesondere wenn der Arbeitgeber Telearbeitsplätze zu einer Alternative zum Arbeitsplatz in der Zentrale oder einer Niederlassung erklärt hat? Wiegt die unternehmerische Entscheidung, bestimmte Arbeitsplätze in der Zentrale des Abreitgebers zu konzentrieren schwerer als das arbeitnehmerseitige Interesse an einer Weiterbeschäftigung?
Mitbestimmung bei Ausgestaltung mobiler Arbeit und Einigungsstelle
  • Immer mehr Unternehmen führen mobile Arbeitsmodelle ein. Doch wann liegt überhaupt mobile Arbeit vor und was ist der Unterschied zum Homeoffice? Worauf kommt es für ein Mitbestimmungsrecht des Betriebsrates an? Wann kann dieser die Einigungsstelle anrufen?
Die turnusmäßigen Betriebsratswahlen 2022 stehen an. Was bringt das im Juni in Kraft getretene Betriebsrätemodernisierungsgesetz? Wir besprechen, ob es wirklich...