Sportlehrerin gesucht: Dürfen sich auch Männer bewerben?

Quelle: pixabay.com
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Das BAG hat in einem Urteil vom 19.12.2019 (8 AZR 2/19) entschieden, dass eine unmittelbare Benachteiligung wegen des Geschlechts nach § 8 Abs. 1 AGG in unionsrechtskonformer Auslegung nur zulässig sein kann, wenn es um den Zugang zur Beschäftigung einschließlich der zu diesem Zweck erfolgenden Berufsbildung geht. Zudem muss es sich um ein geschlechtsbezogenes Merkmal aufgrund der Art einer bestimmten beruflichen Tätigkeit oder der Bedingungen ihrer Ausübung eine wesentliche und entscheidende berufliche Anforderung handeln, sofern dahinter ein rechtmäßiger Zweck und eine angemessene Anforderung steht.

Im Sommer 2017 hatte sich der Kläger erfolglos beim Beklagten, einer Privatschule in Bayern, auf die ausgeschriebene Stelle „Fachlehrerin Sport (w)“ beworben. Im Nachgang verlangte er vom Beklagten Entschädigung nach § 15 Abs. 2 AGG wegen Benachteiligung des Geschlechts. Der Beklagte hielt die Nichtberücksichtigung im Stellenbesetzungsverfahren für zulässig nach § 8 Abs. 1 AGG. Er befürchtete die Beeinträchtigung des Schamgefühls der Schülerinnen, wenn der Kläger im nach Geschlechtern getrennt durchgeführten Sportunterricht hätte Hilfestellungen geben oder im Umkleideraum für Ordnung hätte sorgen müssen. Die Vorinstanzen wiesen die Klage ab. Die Revision des Klägers hatte hingegen Erfolg.

Dem Grunde nach besteht ein Anspruch auf Zahlung einer Entschädigung nach § 15 Abs. 2 AGG. Der Beklagte hat nicht den Vorgaben des AGG und des Unionsrechts entsprechend dargetan, dass für die streitgegenständliche Stelle ein geschlechtsbezogenes Merkmal eine wesentliche und entscheidende sowie angemessene berufliche Anforderung i. S. d. § 8 Abs. 1 AGG ist. Sein Vortrag, der sich im Wesentlichen auf das Schamgefühl der Schülerinnen stützte, genügte nicht. Über die konkrete Höhe der Entschädigung hat nun das LAG Nürnberg zu entscheiden. Die Sache wurde nach Aufhebung des Urteils zweiter Instanz zurückverwiesen.

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