Fragen an Dr. Reza Moussavian

„Es gibt für alles eine Lösung!“
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Dr. Reza Moussavian, SVP HR Development, Digital & Innovation, Deutsche Telekom Bild: Moussavian
Dr. Reza Moussavian, SVP HR Development, Digital & Innovation, Deutsche Telekom Bild: Moussavian

Wären Sie nicht Personaler geworden, was dann?

Ich bin gefühlt ja noch nicht so lange Personaler, ich wäre wahrscheinlich im Vertrieb oder der Beratung gelandet.

Was fasziniert Sie an Ihrem Beruf?

Die Erkenntnis steigt stetig, dass, wenn irgendwelche Buzzwords dahergesagt werden, etwa People First Culture und Co., dass man das dann auch ernst meinen muss. Schaumschläger werden recht schnell entlarvt. Da gehört mehr dazu, etwa das professionelle Auseinandersetzen mit den Themen. Die in diesem Sinne veränderte Funktion von Personalarbeit ist faszinierend. Das Unternehmen und seine Kultur voranzubringen und das idealerweise auch messbar zu machen, dass das Ganze einen unternehmerischen und gesellschaftlichen Beitrag hat. Dieses Spannungsfeld reizt mich.

Was hat Sie in Ihren ersten Berufsjahren am meisten geprägt?

Die Auseinandersetzung mit Innovationen und Technologien in verschiedensten Kulturkreisen. Etwas zu verändern und zu bewegen, letztlich eine Gesellschaft weiterzubringen durch Digitalisierung. Es ist unsere Aufgabe, Kenntnisse rund um Innovation, Transformation, Internationalität und Multikulturalität auch in die Personalfunktion einzubringen.

Geprägt hat mich ein Satz von einem damaligen PWC-Partner: „Du musst keine Karriere planen, mit Dir wird Karriere gemacht.“ Damit bin ich persönlich sehr gut gefahren. Das soll heißen: Wen man mit den Menschen, mit denen man zusammenarbeitet, fair umgeht und Leistung bringt, fügt sich meist alles zum Guten. Aber: Das gilt leider für einen großen Teil gut und hart arbeitender Frauen (noch) nicht! Die können sich leider nicht ausschließlich auf ihre Fähigkeiten verlassen. Das ist ein wichtiges Thema, das wir angehen müssen.

Gibt es Lücken in Ihrem Lebenslauf?

Ich habe berufsbegleitend promiviert, das hat mich weitergebracht. Und bevor ich 30 wurde, bin ich ein halbes Jahr ausgestiegen. Ich habe ein klassisches Sabbatical gemacht und war in Süd- und Mittelamerika. Dort habe ich Spanisch und Surfen gelernt.

Welche berufliche Entscheidung würden Sie rückwirkend anders treffen?

Das wäre ganz am Anfang meiner Karriere: Ich würde nicht noch einmal BWL studieren, sondern Mathematik. In diesem Fach war ich zwar ganz gut, aber zu meiner Zeit hieß es damals: Damit kann man entweder an der Uni bleiben oder in eine Versicherung gehen. Heute sehe ich das natürlich ganz anders, dafür hat sich unsere Welt zu sehr verändert. Mathematiker werden überall gebraucht.

Arbeitnehmer sind dann gut, wenn …

… sie mit dem Anspruch antreten, etwas zu bewegen. Wenn sie so arbeiten, als sei es ihr eigenes Unternehmen, Missstände und Optimierungsbedarf eigenständig erkennen und versuchen, diese zu beheben und sich nicht hinter Hierarchien verstecken, zugleich den Wert und die Leistung eines Teams zu schätzen wissen.

Was war Ihre beruflich schwerste Entscheidung?

Jedes Trennungsgespräch fällt schwer. Bei den ersten Gesprächen war ich nicht gut, man muss das tatsächlich lernen. Es handelt sich auch ein Stück weit um ein Tabuthema. Viele Führungskräfte sitzen das aus oder sprechen nicht über ihre Probleme bei und mit solchen Gesprächen – ein großer Fehler.

Was bedeutet Arbeit für Sie?

Es ist Teil meiner Persönlichkeit und bedeutet Erfüllung, sich selbst und das Unternehmen weiterzubringen.

Auf welche Rituale könnten Sie nicht verzichten?

Ich bin kein Kaffeetrinker, aber ein Tee morgens muss schon sein. Eine schlechte Angewohnheit ist hingegen, jeden Morgen zuerst aufs Handy zu schauen.

Mit wem würden Sie gerne mal ein Bier/ein Glas Wein trinken?

Ein Überblick über die drei Teilbereiche des „Kollektiven Arbeitsrechts“: Betriebsverfassungsrecht (BetrVG, SprAuG, EBRG), Unternehmensmitbestimmungsrecht (DrittelbG, MitbestG, Montan-MitbestG), Tarifvertrags- und Arbeitskampfrecht (TVG, Artikel 9 III GG)

Am liebsten würde ich mal wieder ein Bier mit meinem Bruder trinken. Aber wahnsinnig spannend fände ich ein Gespräch mit Donald Trump: Was ist das für einer? Glaubt er wirklich an das, was er sagt? Wie sieht er tatsächlich die Welt und was treibt so einen Menschen um?

Welches Buch muss mit in Ihren Urlaub und wo geht es hin?

Am liebsten mit der Familie an den Strand zum Wassersport. Und mit kommt das für mich wichtigste Buch, das ich je gelesen habe und jedem wärmstens ans Herz lege: „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ von Yuval Noah Harari.

Was ist Ihre größte Leidenschaft?

Neben der Familie und der Zeit mit Frau und Kindern, Salsatanzen und -auflegen und ganz neu seit Corona: Rennradfahren.

Wenn Sie Schüler unterrichten würden, in welchem Fach wäre das?

Da ich nicht Programmieren kann, Mathematik.

Verraten Sie uns Ihr Lebensmotto?

Ich sage meinen Kindern immer: Es gibt für alles eine Lösung!

Vita

Dr. Reza Moussavian ist Senior Vice President HR Development der Deutschen Telekom. Hier verantwortet er konzernweit die Personalentwicklung, von Employer Branding, Recruiting zu Learning und Talent Management. In dieser und vorhergehenden Rollen hat er die Transformation der Telekom u. a. durch Einführung neuer Arbeitsmethoden und Digitalisierung im Personalressort maßgeblich mitgestaltet.

Vor dem Eintritt in die Personalfunktion war Dr. Reza Moussavian als Unternehmensberater für Detecon, IBM und PWC tätig mit Transformations- und Innovationsprojekten in mehr als 40 Ländern, im Schwerpunkt Mittlerer Osten und Afrika.

Dr. Reza Moussavian hat BWL studiert und in Südafrika promoviert.

Dr. Reza Moussavian

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