Fragen an Dr. Tanja Wöbken

„Fehler sind kein Problem. Im Gegenteil, an ihnen kann man nur wachsen.“
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Dr. Tanja Wöbken, Group Director Human Resources, ALDI SÜD Dienstleistung, Mülheim an der Ruhr Bild: Daniela Möllenhoff
Dr. Tanja Wöbken, Group Director Human Resources, ALDI SÜD Dienstleistung, Mülheim an der Ruhr Bild: Daniela Möllenhoff

Wären Sie nicht Personalerin geworden, was dann?

Dann wäre ich Humanmedizinerin bei Ärzte ohne Grenzen.

Warum haben Sie sich für Ihren Beruf entschieden?

Ich stamme aus einer Handwerkerfamilie. Für meinen Vater und Großvater gab es eigentlich immer nur zwei Optionen für meinen beruflichen Werdegang: Versicherung oder Bank. Mein Traum war es jedoch, zu studieren. Kompromissbereit habe ich also zunächst eine Banklehre absolviert und danach BWL studiert und noch eine Promotion drangehängt. Danach zog es mich für viele Jahre wieder in die Bankenbranche, zunächst ins Controlling und später wechselte ich in die Personalabteilung. Und ihr bin ich bis heute treu geblieben – auch wenn ich mittlerweile in der Retail-Branche zu Hause bin. Letztlich sind es die Mitarbeiter:innen, die mir am Herzen liegen.

Was hat Sie in Ihren ersten Berufsjahren am meisten geprägt und welcher Rat hat Ihnen am meisten genützt?

Mein Vater und mein Großvater haben schon immer zu mir gesagt: „Triff deine eigenen Entscheidungen und übernimm Verantwortung.“ Dieses Credo ist für mich bis heute stimmig und ich ergänze: mutig sein und vorangehen. Fehler sind kein Problem. Im Gegenteil, an ihnen kann man nur wachsen.

Gibt es Lücken in Ihrem Lebenslauf?

Nein. Ich wollte allerdings nach meiner Zeit bei der Bank eine Auszeit nehmen, Yoga praktizieren und all die Dinge tun, für die ich jahrelang keine Zeit hatte. Aber dann klingelte mein Telefon und plötzlich fand ich mich im Retail-Business wieder.

Wozu haben Sie zuletzt Nein gesagt?

Ein konsequentes oder gar ablehnendes „Nein“ erteile ich im beruflichen Kontext in den seltensten Fällen. Verneinungen nutze ich eigentlich nur, um Verantwortlichkeiten festzulegen, um ein geordnetes Miteinander zu schaffen und Doppelarbeit zu vermeiden.

Welche (sozialen) Netzwerke nutzen Sie?

Ich kenne alle sozialen Netzwerke, nutze derzeit aber ausschließlich LinkedIn. Gleichzeitig pflege ich seit vielen Jahren physische Netzwerke. Erst neulich war ich wieder mit Personaler:innen aus den verschiedensten Branchen zum Mittagessen verabredet.

Arbeitnehmer sind dann gut, wenn …

… sie motiviert sind und so ihren Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten. Gleichzeitig setze ich auf Vielfältigkeit, also darauf, dass Mitarbeiter:innen ihre ganz individuellen Fähigkeiten und Stärken mit einbringen können. Darüber hinaus glaube ich an die Stärke von Teams. Ich selbst habe lange Jahre Volleyball gespielt und bin daher davon überzeugt, dass wir als Team besser sind als allein.

Was war Ihre beruflich schwerste Entscheidung?

Die Restrukturierung der Bank, bei der ich bis 2013 tätig war. Ich habe diese Entscheidung zwar nicht getroffen, aber mein Job war es, die bevorstehenden Veränderungen, wie z. B. Standortschließungen, den Mitarbeiter:innen mitzuteilen.

Welche Themen stehen in den nächsten Monaten auf Ihrer Agenda?

Das größte Thema der nächsten Monate sehe ich im Recruiting. Die Corona-Pandemie hat den Arbeitsmarkt aus meiner Sicht grundlegend verändert. So ist bspw. das Streben nach Sicherheit und Kontinuität größer geworden. Die Wechselbereitschaft scheint zu sinken, weil man einen sicheren Job nicht gegen eine Probezeit eintauschen möchte.

Was bedeutet Arbeit für Sie?

Ich arbeite gerne und liebe es zu gestalten, Impulse zu setzen und einen Mehrwert zu leisten. Als Handwerkertochter mit eigenem Familienbetrieb war das Thema Arbeit schon immer sehr präsent in meinem Leben und ich kann mir ein Leben ohne nur schwer vorstellen.

Was können sich Ihre Kollegen von Ihnen abschauen?

Eine positive Einstellung und eine gewisse Kreativität in der Lösungsfindung.

Was lesen Sie in AuA zuerst?

Diese Rubrik hier.

Auf welche Rituale könnten Sie nicht verzichten?

Ich stehe spätestens um 6 Uhr auf und trinke ganz allein einen Kaffee – idealerweise im Garten.

Mit wem würden Sie gerne mal ein Glas Wein trinken?

Mit Angela Merkel.

Welches Buch muss mit in Ihren Urlaub und wo geht es hin?

Kein bestimmtes. Ich lese alles von Fachliteratur über Krimis bis hin zu Meditationsbüchern. Auch beim Thema Reisen sind meine Familie und ich sehr offen: In diesem Jahr waren wir bereits drei Wochen auf Föhr. Vor Corona haben wir z. B. auch Botswana oder Kanada bereist.

Was ist Ihre größte Leidenschaft?

Menschen – in allen Belangen!

Worauf freuen Sie sich derzeit am meisten?

Jeden Tag bewusst zu gestalten und achtsam mit meiner Umwelt und mir selbst zu sein.

Welchen Rat geben Sie Ihrem jüngeren Ich mit auf den Weg?

Sei gelassener!

Verraten Sie uns Ihr Lebensmotto?

Jeden Tag leben und die Zeit, die man hier auf Erden hat, intensiv nutzen. Zurückschauen gilt nicht, sondern jeder neue Tag birgt die Chance, es besser zu machen und Verantwortung zu übernehmen.

Dr. Tanja Wöbken

Dr. Tanja Wöbken
Group Director Human Resources, ALDI SÜD Dienstleistung, Mülheim an der Ruhr
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Fragen an Dr. Tanja Wöbken
Seite 44
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Body Teil 1

Was und wo haben Sie gelernt?

Studium und Promotion an der Uni Hamburg.

Wären Sie nicht Betriebswirt/Personaler geworden, was

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Body Teil 1

Was und wo haben Sie gelernt?

Auf die Ausbildung zum Industriekaufmann bei der Lurgi AG in Frankfurt am Main folgten das Jurastudium in Mannheim

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Body Teil 1

Was und wo haben Sie gelernt?

Ich habe in Bielefeld Jura studiert und anschließend in Rheinland-Pfalz und in Rom mein Referendariat

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Body Teil 1

Veränderte Rahmenbedingungen

Spricht man aktuell als Coach mit Führungskräften, dann hört man von ihnen oft Klagen wie: „Was soll ich noch alles

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Body Teil 1

Wären Sie nicht Personaler geworden, was dann?

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Body Teil 1

Was und wo haben Sie gelernt?

Ich habe in Mainz Publizistik, vergleichende Literaturwissenschaften und Volkswirtschaft gelernt und später auch über