Fragen an Julia Krohn

„Schnelles und direktes Feedback sind essenziell.“
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Julia Krohn, Geschäftsführerin Personal, Molkerei Gropper GmbH & Co. KG, Bissingen in Nordschwaben (Landkreis Dillingen an der Donau) Bild: Krohn
Julia Krohn, Geschäftsführerin Personal, Molkerei Gropper GmbH & Co. KG, Bissingen in Nordschwaben (Landkreis Dillingen an der Donau) Bild: Krohn

Wären Sie nicht Personalerin geworden, was dann?

Dann wäre ich weiterhin meinen Weg in der Hotellerie gegangen – mein Teenagertraum war die Position einer Hoteldirektorin in einem Ferienhotel.

Warum haben Sie sich für Ihren Beruf entschieden?

In den ersten Jahren meiner Berufstätigkeit hat sich herausgestellt, dass es mir sehr liegt, einen Zugang zu unterschiedlichen Zielgruppen im Unternehmen zu finden sowie Prozesse rund um das Personalmanagement zu strukturieren und nachhaltig zu etablieren. Die Rolle als Vermittlerin und als anspruchsvolle Idealistin mit dem Ziel, die Arbeitswelt für die Menschen stetig ein wenig besser zu machen, passt zu mir.

Was fasziniert Sie an Ihrem Beruf?

Wenn Entwicklung stattfindet – d. h. wenn Menschen in der Organisation wachsen, eigene Entwicklungsschritte erkennen und damit letztlich auch das Unternehmen im unermüdlichen Wandel wirksam bleibt.

Was hat Sie in Ihren ersten Berufsjahren am meisten geprägt?

In der Hotellerie und Gastronomie ist viel Einsatzfreude und flexibles, zügiges Handeln und Improvisieren gefragt – besser hätte eine Vorbereitung auf unsere heutige lebendige Arbeitswelt nicht stattfinden können.

Welcher Rat hat Ihnen auf Ihrem beruflichen Weg am meisten genützt?

Nach vielen intensiven Jahren der Weiterbildung der Hinweis, dass es nun wichtig ist, die Theorie in den Hintergrund zu stellen und im Prozess sowie anhand der eigenen Intuition zu spüren, welche Impulse und Interventionen für Menschen und Organisationen hilfreich sein können.

Gibt es Lücken in Ihrem Lebenslauf?

Nach meinem Entschluss, die berufliche Welt der Hotellerie für einen Branchenwechsel zu verlassen, habe ich etwas Zeit benötigt, um den richtigen Platz für den nächsten Berufsabschnitt zu finden. Eine sechsmonatige Auszeit ohne Dienstreisen und Termindruck in 2015 war für mich keine Lücke, sondern eine absolute Bereicherung meines Lebenslaufs.

Welche (sozialen) Netzwerke nutzen Sie?

Mein persönlich gewachsenes Netzwerk aus ehemaligen Weggefährten – aus Studiengängen, Weiterbildungen, beruflichen gemeinsamen Etappen und Projekten, auch verbunden über Xing. Darüber hinaus bin ich Teil eines Personalleiter- und Unternehmerzirkels sowie in der Region Dillingen/Donau-Ries eines Netzwerks von Frauen in Führungspositionen.

Welche berufliche Entscheidung würden Sie rückwirkend anders treffen?

Aus heutiger Sicht hat jede noch so ambivalente Entscheidung ihren Sinn gehabt. Heute gebe ich in Entscheidungsprozessen schneller und direkter Feedback – da war ich in den ersten Jahren meiner Laufbahn sehr vorsichtig. Heute weiß ich um den Wert zügiger und eindeutiger Resonanzen.

Arbeitnehmer sind dann gut, wenn …

… ihre Aufgabe übereinstimmt mit ihren Werten, Einstellungen und Motiven. Wenn Arbeitnehmer erkannt haben, was sie antreibt und was sie beitragen können und ihren dafür passenden Platz in der Organisation gefunden haben, dann ist es ideal.

Welche Themen stehen in den nächsten Monaten auf Ihrer Agenda?

Das stark gewachsene Unternehmen, das nun an drei Standorten aktiv ist, in einer angespannten Marktsituation für künftige Herausforderungen organisatorisch so weiterzuentwickeln, dass unsere wertvolle Unternehmenskultur das lebendige Treiben auch weiterhin trägt.

Was bedeutet Arbeit für Sie?

In dem mir möglichen Rahmen mein Können und meine Stärken so einbringen, dass sich Menschen in (und mit) Organisationen verbunden fühlen.

Auf welche Rituale könnten Sie nicht verzichten?

Der morgendliche Start am Wochenende: Ein ausgiebiges Frühstück mit Cappuccino und der Süddeutschen Zeitung.

Mit wem würden Sie gerne mal ein Bier/Glas Wein trinken?

Ein Gespräch mit Giovanni di Lorenzo, dem Chefredakteur der Zeit und Moderator meiner Lieblingssendung 3nach9, stelle ich mir gleichermaßen intensiv, inspirierend und kurzweilig vor.

Welches Buch muss mit in Ihren Urlaub und wo geht es hin?

Ich bin ein leidenschaftlicher Nordseefan und freue mich demnächst auf eine schöne Zeit in St. Peter-Ording mit dem Roman „Der letzte Satz“ von Robert Seethaler.

Was ist Ihre größte Leidenschaft?

Das Leben mit Lesen und gutem Essen in einzigartigen Hotels an schönen Orten genießen – und wenn ich dann noch Muße habe, selbst Gedanken zu Papier zu bringen, bin ich sehr glücklich.

Verraten Sie uns Ihr Lebensmotto?

„Du bist, was Du warst und Du wirst, was Du tust.“ Diese Worte von Buddha bringen für mich die immerwährende Lebensaufgabe auf den Punkt: Die eigene Geschichte mit Respekt integrieren und dennoch zu wissen, dass ich selbstbestimmt die Möglichkeit habe, durch mein Handeln etwas zu verändern.

VITA

Geboren in Bremen/aufgewachsen in Nieder­sachsen, nach dem Abitur ab 1999 Ausbildung zur Hotelkauffrau im Hotel Bayerischer Hof in München, anschließend Personalassistentin bei der Käfer GmbH & Co. KG in München, 2003 bis 2006 Studium der Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Personal an der HWP/Uni Hamburg, ab 2006 bis 2015 diverse HR-Funktionen beim Hotelkonzern Accor Hospitality, dort zuletzt Head of Talent Management, berufs­begleitendes Masterstudium an der Uni Hagen/Wuppertal mit Abschluss Master of Arts in Arbeits- und Organi­sationspsychologie, ab 1.1.2016 bei der Molkerei Gropper GmbH & Co, zunächst als Leiterin Personalentwicklung, seit 1.1.2017 Bereichs­leiterin Personal und seit 1.7.2020 Mitglied der Geschäftsführung

Redaktion (allg.)

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Artikel Fragen an Julia Krohn
Seite 666 bis 667
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