Zwanzig Fragen an Michael Mager

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Michael Mager Executive Director Human Resources & Organization, Grohe AG Bild: Frank Beer photography
Michael Mager Executive Director Human Resources & Organization, Grohe AG Bild: Frank Beer photography

Was und wo haben Sie gelernt?

Ich habe in Mainz Publizistik, vergleichende Literaturwissenschaften und Volkswirtschaft gelernt und später auch über 13 Jahre Volkswirtschaft gelehrt.

Wären Sie nicht Personaler geworden, was dann?

Mein Berufsweg war immer eine Mischung aus Personal und Beratung, wahrscheinlich Unternehmensberater.

Warum haben Sie sich für Ihren Beruf entschieden?

Ich leitete ein großes Projekt und wurde während der Abschlusspräsentation vom Auftraggeber gefragt, ob ich wirklich an meinen Vorschlag glaube. Die Antwort führte dazu, dass ich am nächsten Tag die leitende Personalfunktion innehatte, um die Umsetzung des Projekts zu garantieren.

An meinem Beruf fasziniert mich …

… die Zusammenarbeit mit leistungsbereiten Mitarbeitern auf allen Ebenen. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Unternehmen nur so gut sind wie die in ihnen arbeitenden Menschen. Die Aufgabe besteht darin, sie zusammenzubringen, Teams zu bilden und deren Führung zu stärken. Zu erleben, wie die Menschen den Unterschied machen, wie Personal zum Unternehmenserfolg beitragen kann, das ist, was mich im Beruf antreibt.

Wenn ich an meine ersten Berufsjahre denke, ...

... dann denke ich an meine Mentoren. Einer nannte mich damals einen ungeschliffenen Edelstein. Er sah es als seine Aufgabe an, mich zu schleifen, durchaus im doppelten Wortsinn. Ein anderer Mentor sah seine Rolle darin, Führungskräfte zu entwickeln, zu befördern und abzugeben. Er hatte nie Probleme, gute junge Leute zu finden. Später wurde ich sein Vorgesetzter und trotzdem blieben wir befreundet.

Welcher Rat hat Ihnen auf Ihrem beruflichen Weg am meisten genützt?

„Frage nicht immer um Erlaubnis, frage lieber um Absolution.“ Man muss auch mal unkonventionelle Wege gehen, wenn man etwas verändern will.

Welche (sozialen) Netzwerke nutzen Sie?

Ich pflege einen Austausch mit Kollegen anderer internationaler Unternehmen, z. B. über das Conference Board.

Welche berufliche Entscheidung würden Sie rückwirkend anders treffen?

Es gibt einige, die ich heute anders treffen würde, aber es gibt vor allem ein Muster, das dahintersteht: Kompromisse bei personellen Themen. Diese führten i. d. R. nur zu Verzögerungen und dann zu schwierigeren Entscheidungen, fast nie jedoch zu besseren Lösungen.

Arbeitnehmer sind dann gut, wenn ...

... sie sich informieren über das Marktumfeld und die Leistungsdaten des eigenen Unternehmens und dann so handeln, als wäre es ihre eigene Firma.

Was war Ihre beruflich schwerste Entscheidung?

Im Rahmen eines Erpressungfalls musste ich direkt mit dem Erpresser verhandeln und wurde von ihm persönlich bedroht. In dieser Situation einen kühlen Kopf zu behalten und die richtige Entscheidung zu treffen, war sicherlich extrem.

Welche Themen sind für Sie die wichtigsten der nächsten zwölf Monate?

Für die meisten Themen sind zwölf Monate entweder zu kurz oder zu lang. Ganz oben steht, wie wir die Organisation zukunftsfähig halten, also viele gute Talente finden und fördern. Dazu gehört aber auch, dass wir erfahrene Mitarbeiter motiviert halten und ihre Kenntnisse nutzen. Insgesamt will ich den „Engagement-Level“ in der Organisation steigern, d. h. insbesondere erkennen, wenn und warum einzelne Mitarbeiter stärker engagiert sind als andere und daraus lernen, wie wir die übrigen erreichen und motivieren können.

Arbeit bedeutet mir ...

... viel, sie stiftet Sinn und eröffnet Gestaltungsmöglichkeiten.

Was fällt Ihnen zu „Arbeit und Arbeitsrecht“ ein?

Ich würde es bevorzugen, wenn wir sinnvolle Arbeit im Zentrum unserer Aufmerksamkeit behalten und das Arbeitsrecht weniger strapazieren müssten.

Was lesen Sie in AuA zuerst?

Die Titelseite.

Welche Rituale pflegen Sie?

Keine.

In diesem Buch werden die verschiedensten Aspekte für Praktiker umfassend dargestellt und der Aufbau und die Systematik des Arbeitsschutzes, Compliance-relevanter Aspekte, Rechte und Pflichten von Arbeitgebern und Arbeitnehmern erläutert.

Mit wem würden Sie gernemal ein Bier/ein Glas Wein trinken?

Mit einer Frau, die Papst werden könnte.

Wohin würden Sie gerne einmal reisen?

An einen Ort, der keinen Neid kennt.

Welches ist Ihr Lieblingsbuch?

Fotobücher von Reisen mit meinen Kindern und meiner Frau.

Ihre größte Leidenschaft ist ...

... Judo. Auch wenn ich es nicht mehr aktiv betreibe, so ist es doch der Sport, der mich wohl nie loslassen wird.

Verraten Sie uns Ihr Lebensmotto?

Ich habe zwei: „Offenheit schafft Vertrauen“ und„Lieber vertraue ich hundertmal und werde einmal enttäuscht, als dass ich hundertmal misstraue und einmal recht habe“.

Vita

Seit 2013 Vorstand Personal und Organisation sowie Arbeitsdirektor der Grohe AG. Von 2004 bis 2012 Bereichsleitung Personal und Organisation. Zuvor Leiter der Konzernfunktion Personal, Führungskräfte/Grundsätze bei der Unternehmensgruppe Freudenberg & Co. in Weinheim. Von 1994 bis 1997 Geschäftsführer bei Andersen Consulting/Andersen Services (heute Accenture) in Eschborn. 1982 bis 1994 in verschiedenen Aufgabenbereichen bei der Boehringer Ingelheim-Gruppe beschäftigt.

Zudem seit 2004 Vorstand des Zentrums für Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit in Iserlohn sowie seit 2005 ehrenamtlicher Richter am ArbG Iserlohn. Von 1987 bis 1999 Dozent an der FH Mainz für das Fach Volkswirtschaftslehre.

Michael Mager verfügt über ein Diplom der Volkswirtschaftslehre der Johannes-Gutenberg-Universität

in Mainz. Hier war er von 1981 bis 1982 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Volkswirtschaftspolitik tätig.

Michael Mager

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Artikel Zwanzig Fragen an Michael Mager
Seite 297
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Jahrgang 1964, geboren in Duisburg. Einstieg nach dem Studium als Trainee bei Lufthansa, anschließend Stationen als Controller für die

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Die ersten Vertreter der Generation Y sind jetzt Mitte 30 und damit längst reif für Führungsverantwortung. Sie

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