Firmenevents digital moderieren

Nicht nur in der Krise
Veranstaltungen wie Tagungen und Kick-offs können mit moderner Informations- und Kommunikationstechnik effektiver und interaktiver gestaltet werden als mit den klassischen Moderationsmedien wie Pinnwand und Flipchart. Deshalb satteln viele Unternehmen um und nutzen diese Technik verstärkt – gerade in der aktuellen Krise, in der auf persönliche Kontakte natürlich verzichtet werden sollte.
1105
Music or podcast background with headphones, microphone, coffee and laptop on blue table, flat lay. Top view, flat lay Bild: Boyarkina Marina/stock.adobe.com
Music or podcast background with headphones, microphone, coffee and laptop on blue table, flat lay. Top view, flat lay Bild: Boyarkina Marina/stock.adobe.com

1 Mitarbeiter smart in den Prozess einbinden

Je vernetzter die Strukturen in Unternehmen und je komplexer ihre Problemlösungen sind, umso größer ist der Bedarf an bereichs- und oft sogar unternehmensübergreifender Abstimmung. Entsprechend viele Workshops und Meetings fanden bis zum Ausbruch der Corona-Krise vor Ort in den Betrieben selbst statt; zudem Kick-offs und Tagungen, an denen oft Hunderte und zuweilen sogar Tausende von Personen teilnahmen.

Bei solchen Events stellt sich Arbeitgebern oft die Frage: Wie können wir die Teilnehmer so einbinden, dass

  • einerseits alle aktiv an der Meinungsbildung und Entscheidungsfindung mitwirken können und
  • andererseits der Prozess handelbar bleibt?

Denn wenn sehr viele Mitarbeiter an der Meinungsbildung und Entscheidungsfindung mitwirken sollen, dann stoßen die klassischen Moderationsmethoden – mit Pinnwand und Flipchart – ganz schnell an ihre Grenzen. Aus folgenden Gründen:

  • Es erfordert zu viel Zeit, bis alle Teilnehmer ihre Meinungen oder Einschätzungen geäußert haben.
  • Die Teilnehmer beeinflussen sich wechselseitig, so dass kein objektives Stimmungsbild entsteht.
  • Es vergeht zu viel Zeit, bis alle Voten ausgewertet sind und mit den Ergebnissen weitergearbeitet werden kann.
  • Das Dokumentieren der gewonnenen Erkenntnisse und Ergebnisse ist sehr zeitaufwendig, weil die auf Papierbogen notierten Informationen zunächst am PC erfasst werden müssen, bevor sie z. B. als Handout an die Teilnehmer oder Auftraggeber gesandt werden können.

Hinzu kommt: Mit den klassischen Moderationsmethoden lassen sich nur die Voten oder Beiträge der im Raum anwesenden Personen erfassen. Mit ihnen können nicht Personengruppen, die sich an unterschiedlichen Orten befinden, in den Prozess integriert werden. Dies ist in größeren Unternehmen, die meist mehrere Niederlassungen haben, jedoch oft nötig. Das gilt speziell dann, wenn es zum Erreichen der übergeordneten Ziele wichtig ist, dass alle Mitarbeiter sich mit der beschlossenen Strategie oder Problemlösung identifizieren und aktiv an deren Realisierung mitwirken.

2 Events effektiver und interaktiver gestalten

Deshalb dachten bereits vor der aktuellen Krise viele Organisationen darüber nach, wie man größere Veranstaltungen dynamischer und effektiver sowie bei Bedarf so gestalten kann, dass die Teilnehmer sich an unterschiedlichen Orten versammeln. Sie kamen – wenig überraschend – zur Erkenntnis: Mit der modernen Informations- und Kommunikationstechnik (IuK-Technik) können wir unsere Veranstaltungen nicht nur dynamischer und effektiver, sondern auch interaktiver gestalten.

So lassen sich z. B. – wenn genügend kleine digitale Helfer wie Smartphones, Tablets oder Laptops nebst einer entsprechenden Software zur Verfügung stehen – Veranstaltungsdesigns sogar für Mega-Gruppen schmieden, bei denen

  • alle Teilnehmer Fragen an die Referenten stellen können,
  • sie regelmäßig nach ihrer Einschätzung gefragt werden und
  • die Teilnehmer in wechselnden, sich spontan bildenden Kleingruppen an Problemlösungen arbeiten.

Denn mit der IuK-Technik können die Meinungen und Lösungsvorschläge der Teilnehmer schnell erfasst, ausgewertet und visualisiert werden, so dass die relevanten Einzelbeiträge und verdichteten Ergebnisse weiterbearbeitet werden können.

Entsprechend viele Unternehmen und Verbände führten bis zum Ausbruch der Corona-Krise bereits mit der sog. digitalen Moderation die unterschiedlichsten Formen von Präsenz- und Onlineveranstaltungen durch:

  • von (Change-, Strategie- und Vertriebs-)Workshops,
  • über (Händler-, Management- und Führungskräfte-)Tagungen, bis hin zu
  • Großveranstaltungen wie Betriebsversammlungen sowie Open-Space-Veranstaltungen und Zukunftskonferenzen.

Und in der Krise? In ihr führten börsennotierte Unternehmen mithilfe von IuK-Technik sogar ihre Jahreshauptversammlungen digital durch.

3 Technische Infrastruktur

Bei der digitalen Moderation werden vernetzte Computer nebst den dazugehörenden Endgeräten wie Monitoren als Kommunikations- und Interaktionsinstrumente genutzt.

Hilfreich für das Durchführen einer digitalen Moderation ist ein Meeting-Cockpit. Diese Softwarelässt sich mit dem Programm PowerPoint vergleichen, mit dem Präsentationen konzipiert und die hierfür erforderlichen Charts erstellt werden. Der zentrale Unterschied: Ein Meeting-Cockpit enthält mehr Funktionen, da mit ihm keine Einweg-, sondern eine IT-gestützte Mehrwegkommunikation ermöglicht werden soll. Denn bei den mithilfe der digitalen Moderation durchgeführten Großveranstaltungen erfolgen oft auch komplexe Befragungen mit unterschiedlichen Antwortmöglichkeiten, deren Auswertungen dann, sozusagen per Knopfdruck, grafisch aufbereitet angezeigt werden. Hierfür werden mit dem Meeting-Cockpit die Vorlagen erstellt. Außerdem gibt es bei Großveranstaltungen häufig wechselnde Arbeitsgruppen und deren Ergebnisse sollen anschließend nicht nur unmittelbar dokumentiert, sondern auch präsentier- und bearbeitbar sein. Auch hierfür werden im Meeting-Cockpit im Vorfeld die Vorlagen erstellt.

Das Durchführen der Veranstaltung selbst erfordert eine Infrastruktur, die sich als ein Client-Server-System beschreiben lässt. Sie besteht i. d. R. aus folgenden Komponenten, deren Zahl abhängig von der Größe und Art der Veranstaltung variieren kann:

  • mindestens einem Digital-Moderation-Server, der mit einem Webserver verbunden ist und auf dem die mit dem Meeting-Cockpit entworfenen Vorlagen für die Befragungen, die Gruppenarbeit usw. gespeichert sind,
  • mindestens einem Meeting-Cockpit, über das der oder die Moderatoren die Veranstaltung steuern,
  • mindestens einem Bühnen-Client, auf dem das Geschehen für alle anwesenden Personen (i. d. R. per angeschlossenem Beamer) visualisiert wird und
  • einer Vielzahl von Teilnehmer-Clients, die auf Laptops, Smartphones oder Tablets gestartet werden und über die die Teilnehmer ihre Beiträge eingeben.

4 Digitale Moderation hat sich bewährt

Mit dieser technischen Infrastruktur lassen sich die unterschiedlichsten Veranstaltungen durchführen – von (Online-)Workshops bis hin zu Großveranstaltungen mit Tausenden von Teilnehmern, die sich gerade in der aktuellen Zeit, in der z. B. viele Kollegen im Homeoffice arbeiten, an verschiedenen Orten befinden.

Bewährt hat sich die digitale Moderation bei all diesen Veranstaltungen u. a. aufgrund

  • der Schnelligkeit, mit der Informationen gesammelt, bewertet und ausgewertet sowie visualisiert werden können,
  • der erweiterten Kommunikations- und Interaktionsmöglichkeiten, die die Technik bietet sowie
  • der Kostenvorteile, die sich aus der effektiven Nutzung der investierten Zeit ergeben.

So werden etwa viele Großveranstaltungen, bei denen die Teilnehmer an verschiedenen Orten leben und arbeiten, auch in normalen Zeiten überhaupt erst durch das Nutzen der Technik möglich, da ansonsten die Kosten (Reise, Unterbringung und Verpflegung) unverhältnismäßig hoch wären. Auch der Verlust an (Arbeits-)Zeit aufgrund der Anreisen wäre betriebswirtschaftlich nicht vertretbar.

5 Fazit

Immer mehr Unternehmen nutzen die digitale Moderation zum Durchführen von Großveranstaltungen und Workshops – auch weil sie erkannt haben: Die Teilnehmer fühlen sich durch die schnellen und vielen Feedback- und Interaktionsmöglichkeiten, die ihnen die digitale Moderation bietet, wertgeschätzt und gehört. Sie haben zudem registriert, dass gerade ihre jungen technikaffinen Mitarbeiter, wenn in Workshops oder Tagungen mit Pinnwänden und Flipcharts gearbeitet wird, sich zunehmend fragen: „Warum nutzen wir hier diese ‚Steinzeit-Medien‘? Im Arbeitsalltag nutzen wir für die Meinungsbildung und Entscheidungsfindung z. B. bei der Projektarbeit doch auch die moderne IuK-Technik. Warum also nicht hier?“

Diese Einstellung wird sich in den kommenden Monaten bei jenen, die von zu Hause aus mithilfe digitaler Medien kommunizieren und arbeiten, noch verstärken. Deshalb ist die These nicht gewagt: Nach der Krise werden Arbeitgeber noch stärker als vorher beim Durchführen ihrer Events auf die moderne Informations- und Kommunikationstechnik sowie die digitale Moderation setzen.

Sabine Machwürth

Sabine Machwürth
Mitglied der Geschäftsleitung, Machwürth Team International (MTI Consultancy), Visselhövede
AnhangGröße
Beitrag als PDF herunterladen177.53 KB

◂ Heft-Navigation ▸

Artikel Firmenevents digital moderieren
Seite 360 bis 361
Premium
Bild Teaser
Body Teil 1

Problempunkt

Die Arbeitgeberin stellte dem Kläger ab 2002 einen Dienstwagen nebst Fahrer zur Verfügung, den er auch privat nutzen durfte. Der

Premium
Bild Teaser
Body Teil 1

Problempunkt

Die Arbeitgeberin, eine bundesweit tätige Privatbank, und ihr Hamburger Betriebsrat stritten über Beteiligungs- und Auskunftsrechte im

Premium
Bild Teaser
Body Teil 1

Problempunkt

Der Mitarbeiter ist bei der Gemeinde A im Allgäu angestellt. Er zog sich im Rahmen der 39. Bayerischen Behörden-Skimeisterschaften der

Premium
Bild Teaser
Body Teil 1

Problempunkt

Der Arbeitgeber ist ein Textilunternehmen, das eine innerstädtische Filiale mit 55 Mitarbeitern betreibt. Dort besteht ein dreiköpfiger

Frei
Bild Teaser
Body Teil 1

Vor kurzem ist die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland zu Ende gegangen. Viele Arbeitgeber werden es ihren Mitarbeitern ermöglicht haben, das

Frei
Bild Teaser
Body Teil 1

Problempunkt

In der Betriebspraxis ist immer noch die Auffassung verbreitet, der Arbeitgeber könne nicht nur mitbestimmungsfrei entscheiden, ob er