Geleitwort: Die Arbeitswelt der Zukunft!

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Carl Martin Welcker
Präsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e. V., Frankfurt Bild: VDMA
Carl Martin Welcker Präsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e. V., Frankfurt Bild: VDMA

Die Digitalisierung der Arbeitswelt muss ein zentrales Thema einer künftigen Arbeits- und Sozialpolitik sein. Der digitale Wandel ist für alle Beteiligten, für Unternehmen ebenso wie für Beschäftigte, eine große Herausforderung, aber doch auch Chance zugleich. Eine erfolgreiche Digitalisierung ist die Grundvoraussetzung für einen zukunftsfähigen Standort Deutschland. Sie bietet die Möglichkeit, in den kommenden Jahren zum Job-Motor für Deutschland zu werden. Digitale Technologien werden die Produktivität menschlicher Arbeit in fast allen Bereichen wesentlich steigern. Dabei verändern sich natürlich Tätigkeiten und Berufsbilder. In Summe werden durch die Digitalisierung mehr Stellen entstehen, als verloren gehen. Die Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau stellen sich gemeinsam mit ihren Mitarbeitern jeden Tag aufs Neue erfolgreich diesen Herausforderungen und versuchen, die jeweiligen Interessen in Einklang zu bringen. In den Betrieben ist die Gestaltung einer modernen Arbeitswelt daher schon lange Realität.

Doch nicht nur die Unternehmen und die Beschäftigten sind gefordert. Auch der Gesetzgeber muss endlich seinen Beitrag leisten und die rechtlichen sowie beschäftigungspolitischen Rahmenbedingungen an die Erfordernisse der Zukunft anpassen. Selbstverständlich müssen auf betrieblicher Ebene die Potenziale und Kompetenzen der Mitarbeiter effizient gefördert sowie eine Arbeitsorganisation und -gestaltung entwickelt werden, die den Anforderungen von Industrie 4.0 Rechnung tragen. Das steht außer Frage. Ausreichend ist dies jedoch in keinem Fall. Es darf nicht zu einer weiteren kontinuierlichen Entkopplung von technologischem Fortschritt auf der einen Seite und der Entwicklung der politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen auf der anderen Seite kommen. Daher darf es auch nicht das Ziel sein, den heutigen Status quo – scheinbar unbeeindruckt von den Entwicklungen, Möglichkeiten und Bedürfnissen der betrieblichen Praxis – zu erhalten, sondern es ist eine konsequente Fortentwicklung des bestehenden gesetzlichen Rahmens notwendig. Bei einem Verharren in einer Arbeitswelt von gestern wird die Politik mehr und mehr zum Bremskeil für die Gestaltung der Arbeitswelt von morgen.

Der Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD gibt hier jedoch leider wenig Anlass zur Hoffnung. Mit überzogenen Reglementierungen z. B. im Bereich der Befristung von Arbeitsverhältnissen oder neuen, bürokratischen Regeln bezüglich Ansprüchen der Beschäftigten im Bereich der Teilzeit will die neue Bundesregierung ihren – in der letzten Legislaturperiode eingeschlagenen Weg – fortsetzen. Nach Mindestlohn, der abschlagsfreien Rente mit 63, der Einführung eines Entgelttransparenzgesetzes oder den Regulierungen im Bereich der Arbeitnehmerüberlassung, um nur einige Beispiele zu nennen, fügen sich die neuen Vorhaben nahtlos in die Reihe der bisherigen Aktivitäten der Regierungsparteien ein. Auch das angekündigte – wenig konkrete – „Experimentieren“ im Bereich des Arbeitszeit-gesetzes lässt leider keinen großen Wurf vermuten.

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In der neuen Legislaturperiode müssen vielmehr das Schaffen von betrieblichen und individuellen Spielräumen, die Reduzierung von pauschalen gesetzlichen Ansprüchen, die Berücksichtigung des Subsidiaritätsprinzips sowie die Wahrung der Tarifautonomie und der negativen Koalitionsfreiheit die Leitlinien des gesetzgeberischen Handelns sein. Der bloße Ausbau des Sozialstaates, verbunden mit deutlichen Mehrausgaben, und der Drang, neue Entwicklungen per Gesetz zu reglementieren, werden uns sicherlich nicht in eine erfolgreiche Zukunft führen.

Während andere Regionen der Welt einen klaren und konsequenten Innovationskurs verfolgen, droht uns mit der neuen Auflage der Großen Koalition lediglich Dienst nach Vorschrift.

Carl-Martin Welcker

Carl-Martin Welcker

· Artikel im Heft ·

Geleitwort: Die Arbeitswelt der Zukunft!
Seite 564
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