Geleitwort: Wolfgang Hromadka zum 80. Geburtstag

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Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Hromadka
Passau Bild: Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Hromadka
Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Hromadka Passau Bild: Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Hromadka

Am zweiten Weihnachtsfeiertag des vergangenen Jahres beging Prof. Dr. Wolfgang Hromadka, der Sprecher des Publizistischen Beirats von AuA, seinen 80. Geburtstag. Der Jubilar blickt auf ein schaffensreiches Leben zurück.

Geboren im tschechischen Aussig/Elbe, verschlug es ihn nach der Vertreibung aus seiner sudetendeutschen Heimat nach Frankfurt/Main, wo er die beiden juristischen Staatsprüfungen ablegte. Im Anschluss an eine Assistentenzeit an der Universität Zürich, wo er bei Hans Peter promovierte, ging er 1969 als Vorstandsassistent zur Hoechst AG. Fünf Jahre später war er Leiter der dortigen „Personalabteilung Arbeiter“. 1976 wechselte er zur Messer Griesheim GmbH, deren Personaldirektor er fast zehn Jahre lang war. Schon damals gelang ihm in glücklicher Weise die Verbindung von Theorie und Praxis des Arbeitsrechts. Inspiriert von den praktischen Problemen, die die Novelle des Betriebsverfassungsrechts 1972 für die Gruppe der leitenden Angestellten mit sich brachte, verfasste er die grundlegende und noch heute sehr lesenswerte Studie über deren Rechtsstellung, Geschichte und Soziologie, mit der er sich 1978 bei dem späteren Bundesverfassungsrichter Alfred Söllner in Gießen habilitierte.

1985 verließ er Frankfurt und die chemische Industrie, um den Ruf auf den Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Arbeitsrecht und Wirtschaftsrecht an die erst sieben Jahre zuvor gegründete Universität Passau anzunehmen. Dieser ist er – trotz eines 1990 erfolgten Rufs an die Humboldt-Universität zu Berlin – bis zu seiner Pensionierung 2003 treu geblieben. Um auch als Hochschullehrer den Kontakt zur Arbeitsrechtspraxis nicht abreißen zu lassen, richtete er an der Juristischen Fakultät einen arbeitsrechtlichen Praktikerkreis zum Erfahrungsaustausch ein, der sich rasch großer Beliebtheit bei den Arbeitsrechtlern der Region erfreute.

1987 hob er dann das Passauer Arbeitsrechtssymposion aus der Taufe, das zu einer nicht mehr wegzudenkenden Institution des deutschen Arbeitsrechts geworden ist. Bei der Wahl der Themen und Referenten aus Rechtsprechung, Wissenschaft, Verbands- und Unternehmenspraxis bewies Hromadka stets eine kluge Hand. Mit sicherem Gespür für künftige Entwicklungen wurden in Passau viele Fragen der Praxis vorweggenommen. Der Bogen der Themen spannte sich – um nur einige herauszugreifen – vom „Arbeitszeitrecht im Umbruch“ (1987) über „Wege aus der Krise – Der Beitrag des Arbeitsrechts“ (1996), „Die Wiederentdeckung des älteren Mitarbeiters in den Betrieben“ (2007) bis hin zum letztjährigen Thema „Mitbestimmung 4.0“. Um das Arbeitsrechtssymposion zukunftsfest zu machen, gründete Hromadka 2011 die Stiftung „Theorie und Praxis des Arbeitsrechts“. Die „Wolfgang-Hromadka-Stiftung“ ist seitdem Veranstalter des Passauer Arbeitsrechtssymposions, das in diesem Jahr am 14. und 15. Juni zum 32. Mal stattfinden wird (Thema: „Führung im Wandel“). Auch wenn Hromadka die Organisation seines Symposions zwischenzeitlich an seinen Schüler Frank Maschmann übergeben hat, steht er diesem immer noch mit Rat und Tat zur Seite.

Von Hromadkas unermüdlicher Forschertätigkeit bis zum heutigen Tag zeugen mehr als ein Dutzend Fachbücher, darunter ein zweibändiges, bereits in 7. Auflage erschienenes Lehrbuch zum Arbeitsrecht (zusammen mit Frank Maschmann), das „Arbeitsrecht für Vorgesetzte“ (5. Auflage) und der soeben in Neuauflage erschienene Kommentar zum SprAuG sowie über 200 wissenschaftliche Artikel. Schwerpunkte seiner Arbeit sind die Flexibilisierung von Arbeitsbedingungen, das Tarifrecht und das Betriebsverfassungsrecht. Er war Mitglied der Arbeitsgruppe deutsche Rechtseinheit im Arbeitsrecht, die schon kurz nach der Wiedervereinigung einen viel beachteten Professorenentwurf zur Schaffung eines Arbeitsvertragsgesetzes vorlegte. In der akademischen Lehre verstand es Hromadka, den Unterrichtsstoff mit Blick auf die praktischen Folgen darzustellen, wobei er auf einen reichen Fundus eigener Erlebnisse zurückgreifen konnte.

Mit großer Hingabe pflegt er die Kontakte der Passauer Juristenfakultät zu den Partneruniversitäten in Dublin, Toledo und Ankara, wo er ein gern gesehener Referent ist. Von Anfang an galt jedoch sein besonderes Interesse der Tschechischen Republik. Sein unermüdliches Engagement an der Prager Karls-Universität und der Westböhmischen Universität in Pilsen ermöglichte den regen Austausch zwischen tschechischen und deutschen Hochschullehrern und Studierenden, gerade in der für beide Seiten schwierigen Anfangszeit. In Pilsen baute er den Studiengang „Deutsches Recht“ auf, in Passau und in Prag veranstaltete er mehrfach deutsch-tschechische Rechtsfestivals, zuletzt 2017 mit über 100 Studierenden aus Deutschland und Tschechien. 1997 zeichnete ihn die Karls-Universität mit dem Titel eines „Gastprofessors“ aus, 2001 wurde ihm in Pilsen die Ehrendoktorwürde verliehen, für die er sich mit einer auf Tschechisch gehaltenen Rede bedankte, was ihm großen Respekt der tschechischen Kollegen eintrug. Seine Verdienste um die deutsch-tschechische Freundschaft wurden von deutscher Seite 2013 mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse gewürdigt.

Hromadkas praktische Erfahrung und seine tiefe Durchdringung rechtswissenschaftlicher Probleme machten ihn zum deutschlandweit gesuchten Experten. Nicht von ungefähr wurde er 1982 zum Ehrenamtlichen Richter am BAG berufen, dem er bis heute als mittlerweile dienstältester ehrenamtlicher Richter angehört. Darüber hinaus war er Mitglied des Verbandsausschusses des Deutschen Arbeitsgerichtsverbands. Mehrfach bestellte ihn der Deutsche Bundestag zum Sachverständigen in Gesetzgebungsverfahren. Auch als Schlichter im Tarifstreit der Eisenbahner war er aktiv. Nach seiner Pensionierung 2003 wurde er Richter am Verwaltungsgericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel, dem er bis 2012 angehörte. Noch heute ist er Wissenschaftlicher Berater der Anwaltssozietät Schmitt-Rolfes Faltermeier in München.

Der Zeitschrift Arbeit und Arbeitsrecht ist Hromadka seit über zwei Jahrzehnten freundschaftlich verbunden. 1997 gründete er zusammen mit der Redaktion und mir in Erlangen einen Arbeitskreis aus Personalpraktikern unterschiedlicher Branchen, der die Arbeitsrechtswissenschaft, die Rechtsprechung und die Gesetzgebung stärker mit den Problemen der betrieblichen Praxis konfrontieren sollte. Die Ergebnisse der Arbeit sollten in AuA veröffentlicht werden. Das geschah und geschieht bis heute mit großem Erfolg. Aus diesem Arbeitskreis entstand der Publizistische Beirat von AuA, der als wichtiger Impulsgeber fungiert und dessen Sprecher Hromadka seit seiner Konstituierung ist. Alle AuA-Beiratsmitglieder wünschen, dass Hromadka noch lange die Geschicke dieser Zeitschrift und des deutschen Arbeitsrechts begleiten möge.

Im Namen des AuA-Beirats

Prof. Dr. Rainer Sieg, stellv. Sprecher des AuA-Beirats,

Universität Passau

Redaktion (allg.)

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Seite 4 bis 5
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Am 24.9.2017 fand die Wahl des Deutschen Bundestags statt; die regelmäßigen Betriebsratswahlen finden alle vier Jahre in der Zeit