Geleitwort: Arbeitsplätze dank E-Mobilität

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 Matthias Wissmann - Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Berlin
Matthias Wissmann - Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Berlin

Die Autos der Zukunft werden immer geringere Abgas- und CO2-Emissionen aufweisen. Auf dieses Ziel arbeitet die deutsche Automobilindustrie hin. Der Weg dorthin führt über eine Vielzahl technologischer Meilensteine – der elektrische Antrieb ist einer davon. Schon 2019 wird der Elektroantrieb in praktisch allen Baureihen der deutschen Hersteller vertreten sein. Bis 2020 investiert die deutsche Automobilindustrie zudem rund 40 Milliarden Euro allein in die Entwicklung alternativer Antriebe.

Wir gehen davon aus, dass im Jahr 2025 weltweit etwa 15 bis 25 % der Pkw-Neuzulassungen elektrisch unterwegs sein werden. Allein bei den deutschen Herstellern reden wir dann über Stückzahlen, die im Siebenstelligen Bereich sein werden. Die von manchen geäußerte Sorge, dass bei dieser Entwicklung massiv Arbeitsplätze verloren gehen könnten, ist aus heutiger Sicht unbegründet. Deutschland ist Exportnation. Fast jeder vierte deutsche Arbeitsplatz hängt vom Außenhandel ab. Auch der Weltmarkt für Autos wird weiter wachsen. Bald werden jährlich weltweit 100 Millionen neue Autos verkauft – die meisten davon mit Verbrennungsmotor, u. a. auch als Plug-In- Hybrid. Der Verbrenner wird also durchaus noch gebraucht, in vielen Regionen der Welt. Der Hochlauf der Elektromobilität wird zunächst in China sowie in den großen Städten der Industrieländer erfolgen.

Die deutschen Automobilhersteller und Zulieferer arbeiten intensiv daran, den Verbrennungsmotor noch effizienter zu gestalten. Verbrauchssenkungen um 10 bis 15 % sind in den nächsten Jahren möglich. Während die klassischen Antriebe also konsequent weiterentwickelt werden, könnten dank der parallelen Umstellung auf Elektromobilität sogar mehr Arbeitsplätze entstehen. Laut Modellen der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE) sollen bis 2020 etwa zusätzlich 25.000 neue und zukunftsfähige Arbeitsplätze im Automobilsektor durch Elektromobilität geschaffen werden. Zudem entstehen Arbeitsplätze durch Aufbau und Betrieb der Ladeinfrastruktur, so dass das Ziel der NPE von zusätzlichen 30.000 Beschäftigten bis 2020 realistisch bleibt.

Auch für die Zulieferer, auf die rund drei Viertel der Wertschöpfung eines Automobils entfallen, ergeben sich mit der Marktdurchdringung der Elektromobilität weitere Chancen, ihre Wertschöpfung zu erhöhen. Neue industrielle Kooperationsmöglichkeiten entwickeln sich zwischen Zuliefererunternehmen. Allerdings ist auch erkennbar, dass Zulieferer, die heute mit ihren Produkten sehr stark oder ausschließlich am Verbrennungsmotor hängen, möglichst rasch neue Produktideen und Geschäftsfelder entwickeln müssen. Denn die Nachfrage nach reinen Komponenten von klassischen Verbrennungsmotoren wird zumindest auf dem europäischen Pkw-Markt mittelfristig nicht weiter steigen, sondern eher abnehmen.

Mittels neuer, innovativer Komponenten die Elektromobilität weiterzuentwickeln, ist ein großes Potenzial, das die Zulieferer ausschöpfen können. Denn sie spielen nicht nur bei der Produktion von Nebenaggregaten und Assistenzsystemen eine wichtige Rolle, sondern tragen erheblich zum Erfolg und zur Akzeptanz des elektrischen Antriebs bei, indem sie Komponenten entwickeln, die Gewicht reduzieren, Energie sparen, das Fahrerlebnis erhöhen, die Fertigung vereinfachen und die gesamte Komplexität reduzieren. Gerade Mittelständler sind seit vielen Jahren Motor der Innovation; das wird so bleiben. Deutsche Zulieferer sind heute schon führend bei der Gewichtsreduktion in sämtlichen Fahrzeugkomponenten, bei innovativen Antriebslösungen, effizienten Energiemanagementsystemen sowie bei Sicherheits- und Komfortsystemen.

Der Markthochlauf der Elektromobilität sollte auch damit verknüpft sein, zentrale Teile der Wertschöpfungskette in Deutschland weiter zu stärken und aufzubauen. Dazu sind vor allem verlässliche politische Rahmenbedingungen notwendig, aus Berlin und aus Brüssel. Sie geben der Industrie Vertrauen und Planungssicherheit. Das sind notwendige Voraussetzungen, damit die Anbieter in die Elektromobilität investieren können – und der Kunde zunehmend beim Neuwagenkauf auf das E-Auto setzt.

Redaktion (allg.)

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Seite 260 bis 259
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