Fehleinstellungen vermeiden: Warum kündigen neue Mitarbeiter im ersten Jahr?

Bild: AdobeStock/Joschua
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Eine aktuelle Umfrage von XING in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Appinio zeigt, dass bereits etwa drei Viertel der Deutschen in der Vergangenheit nach einem Jobwechsel unzufrieden waren. Die Hälfte der Befragten gab an, das neue Arbeitsverhältnis innerhalb des ersten Jahres wieder gekündigt zu haben. Diese Tendenz findet sich insbesondere bei jüngeren Beschäftigten. 58 % der sog. Millennials kündigten innerhalb des ersten Jahres den neuen Job. Bei der Generation X waren es 47 %, bei den Babyboomern 44 %.

„Aus den Ergebnissen geht hervor, dass es meist ein Zusammenspiel aus mehreren Gründen ist, die Beschäftigte dazu bringen, nach nur kurzer Zeit einen neuen Job zu kündigen – die Befragten gaben durchschnittlich drei Gründen an“, sagt XING Arbeitsmarktexperte Dr. Julian Stahl. Zu diesen Gründen gehören

  • ein als zu gering eingestuftes Gehalt (43 %),
  • die Unzufriedenheit mit dem Vorgesetzten (43 %),
  • eine unpassende Teamkultur (34 %),
  • andere Vorstellungen von den eigenen Arbeitsaufgaben (34 %),
  • ein zu hohes Stresslevel (30 %) sowie
  • zu viele Überstunden (26 %).

Auch hinsichtlich ihrer Beweggründe unterscheiden sich die Generationen von einander. Für die Hälfte der Gen Z war ein zu geringes Gehalt Auslöser der Kündigung. Bei den Babyboomern gaben das nur 34 % an. Bei der Unzufriedenheit mit der Teamkultur stehen 40 % der Gen Z 26 % der Babyboomer gegenüber.

Auch das Kündigungsverhalten der Geschlechter unterscheidet sich: Während unter den Männern in fast jedem zweiten Fall (49 %) ein als zu gering empfundenes Gehalt ausschlaggebend für die frühe Kündigung war, sind es bei den Frauen insbesondere die Unzufriedenheit mit der Führungskraft (43 %) und der Teamkultur (35 %). Zudem kündigen Männer mit 52 % häufiger innerhalb der ersten zwölf Monate als Frauen (48 %). Die meisten Beschäftigten bereuen ihre Entscheidung zu einer frühzeitigen Kündigung nicht. 85 % der Frauen und 75 % der Männer sehen ihr Vorgehen nicht als vorschnell an. Diese Angabe bestätigt auch die Zufriedenheit von 91 % der Befragten im nachfolgenden Job.

Unternehmen und Bewerber sollten laut Dr. Julian Stahl sowohl ihre fachlichen als auch kulturellen Vorstellungen von Anfang an klar kommunizieren, um abklären zu können, wie gut sie zueinander passen. „Ein erneuter Recruiting- und Onboarding-Prozess ist für beide Seiten mit zusätzlichem Aufwand und Kosten verbunden. Die Reibungsverluste durch Fehleinstellungen bedeuten im volkswirtschaftlichen Sinne einen Schaden, der sich verhindern lässt“, sagt der Arbeitsmarktexperte.

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