Geleitwort: Personal zukünftig sozial übers Netz?

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 Prof. Dr.-Ing. Manfred Leisenberg - FMH Bielefeld
Prof. Dr.-Ing. Manfred Leisenberg - FMH Bielefeld

Der bereits jetzt spürbare und in den kommenden Jahren weiter voranschreitende Fachkräftemangel stellt Unternehmen vor immer größere Probleme, bremst deren Wachstumsmöglichkeiten und beeinträchtigt ihre Innovationsfähigkeit. Insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) wird es zunehmend schwierig, sich gegenüber Großunternehmen und Konzernen zu behaupten. Dies ist auch auf die häufig mangelnde Wahrnehmung, Bekanntheit und Präsenz in der Öffentlichkeit zurückzuführen. Sie treten selten als attraktive Arbeitgeber in der Öffentlichkeit positiv in Erscheinung, auch weil von ihnen der Aufbau von Arbeitgebermarken in der Vergangenheit oftmals nicht konsequent genug verfolgt worden ist. Hinzu kommt, dass die finanziellen Ressourcen oft nicht genügend Spielraum für deren konsequente Entwicklung lassen. Zudem sind sie allzu häufig auf die Kommunikation über traditionelle Wege, wie Personalmarketing über Stellenanzeigen oder Jobmessen, fixiert.

Die nachhaltige Implementierung von Social-Media-Recruiting-Verfahren in Kombination mit Employer Branding 2.0 kann – nicht nur für KMU – nachhaltig Abhilfe schaffen, stellt aber gleichzeitig hohe Anforderungen an die Prozesse der strategischen betrieblichen Kommunikationsentwicklung. Die erforderlichen Qualifikationen zur Initiierung und Steuerung dieser Prozesse liegen in den KMU nicht immer vor. Die Durchführung der notwendigen Organisationsentwicklung stellt für sie eine Hürde dar, die sie ohne Unterstützung durch Social-Media- Fachleute nur schwer überwinden können. Die innovativen Potenziale des Social-Media-Recruitings und auch des Aufbaus von Arbeitgebermarken 2.0 sind für diese Unternehmen daher häufig nicht in vollem Maße nutzbar. Aber gerade qualifizierte Mitarbeiter stellen die wichtigste Ressource dar, um Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit zu erhalten und zu fördern.

In der Vergangenheit konnten viele Unternehmen auch ohne Social-Media-Personalentwicklungsinstrumente und -Marketing häufig auf einen ausreichenden Pool von Bewerbern zurückgreifen. Aufgrund von demografischen und branchenspezifischen Entwicklungen stehen viele jetzt erstmalig vor der Herausforderung, keine geeigneten Fachkräfte mehr gewinnen zu können. Sie benötigen spezifische Strategien, um nicht zu Verlierern des Fachkräftewettbewerbs zu werden. Andererseits ist eine frühe Berufsorientierung – auch über die Kanäle des Sozialen Web – ein wesentlicher individueller Erfolgsfaktor für eine spätere qualifizierte und erfolgreiche Berufstätigkeit. Daher gilt es, insbesondere die jungen Zielgruppen, wie die „Generation Y“, möglichst früh über adäquate Kommunikationsmittel anzusprechen und zu einer volkswirtschaftlich zielführenden Ausbildung zu motivieren.

Für Unternehmen bedeutet Social Media vor allem Authentizität sowie Transparenz nach außen und innen durch Inhalte, welche die Nutzer, Kunden oder Mitarbeiter selbst erzeugen. In der Entwicklung einer Employer Reputation in den Sozialen Medien werden diese besonderen Eigenschaften und Möglichkeiten dazu genutzt, den Arbeitgeber einerseits auf dem Markt als attraktiven Anbieter mit positivem Image zu positionieren und andererseits seine Mitarbeiter über ein Cultural Fit (Werte, Kultur, Kommunikation) auf der emotionalen Ebene nachhaltig über eine Identifikation an ihn zu binden. Letztlich geht es dabei um ein zielorientiertes Social- Media-Reputationsmanagement.

Kanäle und Werkzeuge, welche überhaupt von der Zielgruppe wahrgenommen werden, können sich verändern. Ein Unternehmensblog sollte immer im Zentrum der Recruiting-Kommunikationsstrategie stehen. Darum herum kann man Aktivitäten auf Xing, Linkedin oder Kununu platzieren. Facebook wird dabei von den Berufseinsteigern nicht mehr so stark beachtet wie noch vor Jahren. Dennoch bleibt der Dienst zur Ansprache älterer Zielgruppen wichtig. Zur Ansprache der Berufseinsteiger sollten die wirklich hippen Apps, wie die Foto-Dienste SnapChat oder Instagram, herangezogen werden.

Und natürlich ist es nicht nur für KMU überlebenswichtig, sehr gut ausgebildete Fach- und Führungskräfte aus allen Teilen der Welt auf der Grundlage wettbewerbsfähiger Arbeitgebermarken in die wirtschaftlich erfolgreichen europäischen Regionen zu ziehen.

Redaktion (allg.)

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