Zwanzig Fragen an Prof. Dr., LL.M. Gregor Thüsing

1108
 Prof. Dr., LL.M. Gregor Thüsing - Direktor des Instituts für Arbeitsrecht und Recht der Sozialen Sicherheit, Universität Bonn
Prof. Dr., LL.M. Gregor Thüsing - Direktor des Instituts für Arbeitsrecht und Recht der Sozialen Sicherheit, Universität Bonn

Was und wo haben Sie gelernt?

Ich habe in Köln studiert und dort viel von meinem akademischen Lehrer Herbert Wiedemann gelernt. An der Harvard Law School konnte ich meinen Blick noch einmal weiten. David Westfall war mir hier Lehrer und später auch Freund. Im Übrigen: Ich lerne jeden Tag Neues, insbesondere auch von meinen Mitarbeitern.

 

Wären Sie nicht Arbeitsrechtler geworden, was dann?

Wahrscheinlich hätte ich dann irgendein anderes Rechtsgebiet beackert. Die Auswahl ist ja groß. Wenn ich nicht Jurist geworden wäre, dann sicherlich Theologe – aber das ist als Katholik eine Lebensentscheidung.

 

Warum haben Sie sich für Ihren Beruf entschieden?

Mit 29 Jahren, als ich meinen ersten Ruf bekommen habe, habe ich dem Kölner Stadtanzeiger die Frage bereits beantwortet: „Man trinkt mit den interessanteren und netteren Leuten“. Sicherlich zu spitz und zu knapp gesagt – aber das Umfeld an einer Universität ist auch heute immer noch einzigartig.

 

An meinem Beruf fasziniert mich/mag ich besonders ...

... die Unabhängigkeit, die Abwechslung, die Gestaltungsmöglichkeiten.

 

Wenn ich an meine ersten Berufsjahre denke, ...

... frage ich mich rückwirkend, wie ich so viel arbeiten konnte. Rein physisch wären bei mir da heute Grenzen erreicht, die es ehemals anscheinend nicht gab.

 

Welcher Rat hat Ihnen auf Ihrem beruflichen Weg am meisten genützt?

Der Rat meines Vaters: „Gregor, denk Dir mal das Geld weg und alle Erwartungen der anderen. Was würdest Du dann am liebsten machen?“ Daran habe ich mich zum Glück gehalten.

 

Welche (sozialen) Netzwerke nutzen Sie?

Ich bin kein Netzwerker. Deshalb wäre ich im Unternehmen oder als Anwalt wohl nie so erfolgreich gewesen wie als Hochschullehrer.

 

Welche berufliche Entscheidung würden Sie rückwirkend anders treffen?

Die Frage muss man sich sicherlich ab und zu stellen. Doch Stand heute: Keine.

 

Arbeitnehmer sind dann gut, wenn ...

... man sie in ihren Stärken ermutigt und fördert und ihre Schwächen toleriert, wo es geht. Ändern kann man den Menschen nur wenig.

 

Was war Ihre beruflich schwerste Entscheidung?

Das Angebot einer großen Anwaltskanzlei auszuschlagen, als Associate anzufangen – obwohl mich die Personen dort beeindruckt haben und die Arbeit sicherlich interessiert hätte. Und dann das Angebot Thomas Middelhoffs, bei Bertelsmann zu bleiben.

 

Welche Themen sind für Sie die wichtigsten der nächsten zwölf Monate?

Business as usual. Besondere Themengebiete habe ich da nicht. Die Umsetzung der Koalitionsvereinbarung wird sicherlich spannend. Vielleicht kann ich mich da auch ein wenig einbringen.

 

Arbeit bedeutet mir ...

... ca. 40 % meiner täglichen Zufriedenheit. Und: Ich lebe davon.

 

Was fällt Ihnen zu „Arbeit und Arbeitsrecht“ ein?

Untrennbar. Es kann das eine nicht ohne das andere geben.

 

Was lesen Sie in AuA zuerst?

Das Geleitwort und dann die arbeitsrechtlichen Beiträge.

 

Welche Rituale pflegen Sie?

Außerhalb der Kirche keine. Da aber dann einige und mir sehr wichtige.

 

Mit wem würden Sie gerne mal ein Bier trinken?

Günter Uecker oder Markus Lüpertz. Und vielleicht auch Jenny Holzer.

 

Wohin würden Sie gerne einmal reisen?

Ich freue mich dieses Jahr auf meinen ersten Besuch in Tokyo anlässlich des Tokyo Labor Law Seminar, bei dem ich die große Ehre habe, vortragen zu dürfen. Mal sehen.

 

Welches ist Ihr Lieblingsbuch?

Das eine Lieblingsbuch habe ich nicht. Aber Bücher wie die Bände der Frankfurter Anthologie nehme ich immer wieder mal zur Hand.

 

Ihre größte Leidenschaft ist ...

Ob ich so leidenschaftlich bin, weiß ich nicht. Aber Zeit für die Familie, ein gutes Essen, eine schöne Ausstellung – an all dem kann ich mich erfreuen.

 

Verraten Sie uns Ihr Lebensmotto?

Eigentlich sind es zwei: „Personne n‘a le droit d‘être heureux tout seul“ (Raoul Follereau) und: „Tu deviens responsable pour toujours de ce que tu as apprivoisé.“ (Antoine de Saint-Exupéry)

Vita: Gregor Thüsing, geb. 1971 in Köln, ist seit Wintersemester 2004/2005 Direktor des Instituts für Arbeitsrecht und Recht der sozialen Sicherheit der Universität Bonn. Studium der Rechtswissenschaften an der Universität zu Köln, Erstes Juristisches Staatsexamen 1994, danach wissenschaftlicher Mitarbeiter am dortigen Institut für Arbeits- und Wirtschaftsrecht (Prof. Dr. Herbert Wiedemann). Promotion im Jahr 1995 über ein arbeitsrechtliches Thema („Der Außenseiter im Arbeitskampf“). 1996 Zweites Juristisches Staatsexamen, 1998 Graduierung zum LL.M. an der Harvard Law School sowie Zulassung als Rechtsanwalt (Attorney at Law) für den Staat New York nach bestandenem bar exam. Im Jahr 2000 Habilitation im Zivilrecht (Habilitationsschrift: „Wertende Schadensberechnung“) für die Fächer Bürgerliches Recht, Arbeits- und Sozialrecht, Rechtsvergleichung und Kirchenrecht (als Stipendiat der DFG sowie der Studienstiftung des deutschen Volkes). Im Anschluss daran Tätigkeit als Assistent des Vorstandsvorsitzenden in der Zentralen Unternehmensentwicklung der Bertelsmann AG. Vom 1.4.2001 bis Wintersemester 2004/2005 Inhaber des Lehrstuhls für Bürgerliches Recht, Arbeits- und Sozialrecht und Rechtsvergleichung an der Bucerius Law School. Mitglied der Ständigen Deputation des Deutschen Juristentags, des Vorstands der Deutsch-Amerikanischen Juristenvereinigung, des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, Vorsitzender der Kommission zur Erarbeitung des 8. Familienberichts der Bundesregierung (2010 – 2012), Mitglied des Vorstands der Gesellschaft für Datenschutz und Datensicherheit, des Kuratoriums der EBS Law School, Vorsitzender der Gesellschaft für Europäische Sozialpolitik, Stellvertretender Vorsitzender des Kirchlichen Arbeitsgerichts Hamburg; Stellvertretender Vorsitzender der Gesellschaft für Versicherungswissenschaft und -gestaltung.

Redaktion (allg.)

◂ Heft-Navigation ▸

Artikel Zwanzig Fragen an Prof. Dr., LL.M. Gregor Thüsing

Eine in eine AGB eingebundene Versorgungsregelung ist nach § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB unwirksam, wenn sie ein Entfallen der Hinterbliebenenversorgung für

Premium
Bild Teaser
Body Teil 1

Problempunkt

Der Kläger wurde bei einem Bauunternehmen als gewerblicher Arbeitnehmer beschäftigt. Der Stundenlohn betrug zuletzt 13 Euro

Frei
Bild Teaser
Body Teil 1

Was und wo haben Sie gelernt?
Diplomstudium Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre in Hamburg, München und Bordeaux. Aber am lehrreichsten ist

Frei
Bild Teaser
Body Teil 1

Was und wo haben Sie gelernt?
Lernen tut man ständig und überall, das hört nicht auf. In den Anfängen meiner Karriere habe ich sehr viel funktionales

Frei
Bild Teaser
Body Teil 1

Was und wo haben Sie gelernt?
Ausbildung zum Offizier sowie Studium der Betriebs- und Wirtschaftspädagogik an der Bundeswehr Universität in München.

Frei
Bild Teaser
Body Teil 1

Was und wo haben Sie gelernt?

Studium für das Lehramt Sekundarstufe II für die Fächer