Zwanzig Fragen an Prof. Dr. Tim Jesgarzewski

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 Prof. Dr. Tim Jesgarzewski - Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht,FOM Hochschule, Bremen
Prof. Dr. Tim Jesgarzewski - Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht,FOM Hochschule, Bremen

Was und wo haben Sie gelernt?

Nach dem Jurastudium in Bremen und dem Referendariat am LG Verden folgte die Promotion zum Dr. jur. mit einer Arbeit zu allgemeinen 
Geschäftsbedingungen. Mit der Zulassung zum Rechtsanwalt wurde der arbeitsrechtliche Schwerpunkt gesetzt, der dann zur Berufung zum Professor für Arbeits- und Wirtschaftsrecht und zum Fachanwalt für Arbeitsrecht führte.

Wären Sie nicht Arbeitsrechtler geworden, was dann?

Das spannende am juristischen Arbeiten ist die Vielseitigkeit der Einsatzmöglichkeiten. Mich hat schon immer die Vertragsgestaltung gereizt. Das Arbeitsrecht ist dabei besonders interessant, weil es noch sehr stark personenbezogen ist. Meine zweite Wahl wäre die Arbeit als allgemeiner Vertragsrechtler in einem mittelständischen Unternehmen gewesen.

Warum haben Sie sich für Ihren Beruf entschieden?

Arbeitsrecht ist unglaublich interessant, weil es im Kern eine Schutzfunktion für Arbeitnehmer beinhaltet, die unternehmerisch durchdacht werden muss, um sie für eine kluge Unternehmensführung zu nutzen. Das klingt paradox, macht aber das Wesen guter Personalwirtschaft in rechtlicher Hinsicht aus. In der Praxis ist es immer spannend, die betriebswirtschaftliche Sicht einer Geschäftsleitung auf das Arbeitsrecht zu erweitern und dadurch neue Handlungsoptionen zu ermöglichen.

An meinem Beruf fasziniert mich/mag ich besonders ...

... die Vielseitigkeit der Fragestellungen, die manchmal in rasender Geschwindigkeit zu 
belastbaren Entscheidungen geführt werden müssen.

Wenn ich an meine ersten Berufsjahre denke, ...

... freue ich mich über die ständige berufliche Weiterentwicklung.

Welcher Rat hat Ihnen auf Ihrem beruflichen Weg am meisten genützt?

Hinterfrage immer den Sinn und Zweck des Ganzen, nur so kannst du die Handlung richtig 
einschätzen.

Welche (sozialen) Netzwerke nutzen Sie?

Im wesentlichen Xing; Linkedin kommt bei mir eher zu kurz.

Welche berufliche Entscheidung würden Sie rückwirkend anders treffen?

Ich hätte mir noch schneller mehr Unterstützung hinzunehmen sollen.

Arbeitnehmer sind dann gut, wenn ...

... sie sich mit dem Ergebnis ihrer Tätigkeit identifizieren.

Was war Ihre beruflich schwerste Entscheidung?

Ein sehr lukratives Mandat abzulehnen, weil der an mich herangetretene Unternehmer nach einem ersten Beratungsgespräch hat erkennen lassen, dass ihm nahezu alle Mittel recht waren, sein Ziel zu erreichen. Ich sollte dem ganzen nur einen Schleier von Rechtmäßigkeit 
umlegen und die Augen vor allem anderen 
verschließen. Die Entscheidung war für mich sofort klar, aber ich habe lange versucht, den Geschäftsführer zu verstehen. Es ist mir nicht gelungen.

Welche Themen sind für Sie die wichtigsten der nächsten zwölf Monate?

Ich sehe mit Interesse der Arbeit der großen Koalition zu. Einerseits soll für viele Arbeitnehmer mit 63 Jahren Schluss sein dürfen, andererseits die Beschäftigung von Rentnern gefördert werden. Mehr Geradlinigkeit wäre erforderlich. Wenn wir den gesellschaftlichen Wohlstand 
erhalten wollen, werden alle länger arbeiten müssen. Diese Einsicht herbeizuführen, ist das wichtigste Thema – in den nächsten zwölf Monaten und darüber hinaus.

Arbeit bedeutet mir ...

... sehr viel, weil sie die meiste Zeit des Tages beansprucht. Und die ist kostbar.

Was fällt Ihnen zu „Arbeit und Arbeitsrecht“ ein?

Praktisch, aktuell, auf den Punkt.

Was lesen Sie in AuA zuerst?

Das Inhaltsverzeichnis, dann die aktuellen 
Entscheidungen im Überflug.

Welche Rituale pflegen Sie?

Frühstück mit den Kindern, fast jeden Tag.

Mit wem würden Sie gerne mal ein Bier trinken?

Das hätte ich gerne mit Winston Churchill getan.

Wohin würden Sie gerne einmal reisen?

Ist mir nicht so wichtig. Ein bisschen Sonne,
eine schöne Tasse Kaffee, das ist Urlaub.

Welches ist Ihr Lieblingsbuch?

Dieter Hildebrandt hat mir immer sehr gefallen. Ich lese aber auch gerne politische Bücher, 
derzeit etwa „Inflation“ von Frederick Taylor.

Ihre größte Leidenschaft ist ...

... Fußball spielen.

Verraten Sie uns Ihr Lebensmotto?

Nicht reden, fertig machen.

Vita: Prof. Dr. Tim Jesgarzewski Nach dem Studium in Bremen und dem Referendariat in Verden (Aller) gründete Prof. Dr. Tim Jesgarzewski die gleichnamige Rechtsanwaltskanzlei in Osterholz-Scharmbeck mit dem Schwerpunkt der Beratung und Vertretung mittelständischer Unternehmen in allen Bereichen des Arbeitsrechts. 2011 erfolgte die Berufung zum Professor für Arbeits- und Wirtschaftsrecht an der FOM Hochschule für Oekonomie und Management in Bremen 
und 2013 die Ernennung zum Fachanwalt für Arbeitsrecht. Schwerpunkt der Tätigkeit in 
der anwaltlichen Praxis sowie Forschung und Lehre an der Hochschule sind alle Bereiche des individuellen und kollektiven Arbeitsrechts. Prof. Dr. Jesgarzewski ist Verfasser zahlreicher Aufsätze und Lehrbücher zum Arbeits- und Wirtschaftsrecht. Zudem ist er Mitglied und Vorsitzender verschiedener Aufsichtsräte.

Redaktion (allg.)

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Artikel Zwanzig Fragen an Prof. Dr. Tim Jesgarzewski
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Body Teil 1

Was und wo haben Sie gelernt?
Ausbildung zur Handelsassistentin bei Hertie, DiplomstudiumPsychologie an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel,

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Body Teil 1

Was und wo haben Sie gelernt?
Studium der Rechtswissenschaft in Hamburg, Referendariat in Hamburg. Diverse Nebenjobs im Hamburger Hafen.

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Was und wo haben Sie gelernt?
Studium der Rechtswissenschaften und Referendariat mit Schwerpunkt Arbeitsrecht in Hamburg.

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Was und wo haben Sie gelernt?
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Was und wo haben Sie gelernt?
Verlagskauffrau im wissenschaftlichen Springer-Verlag, Rechtswissenschaft an der FU Berlin und MBA in Bled, Slowenien.

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Was und wo haben Sie gelernt?
Nicht aufzugeben, was auch passiert. Wo: im Leben und mit den beteiligten Personen.

Wären Sie nicht Betriebswirt geworden