Liebe Leserinnen, liebe Leser,

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RA Volker Hassel
RA Volker Hassel

„Leistung muss sich wieder lohnen!“ Wer hat’s erfunden? Nicht – wie viele jetzt vielleicht denken– Guido Westerwelle oder ein anderer Liberaler. Der Satz wird mit Helmut Kohl in Verbindung gebracht, der ihn Mitte der 80er-Jahre gegen die SPD in die politische Debatte eingeführt haben soll. 1986 wurde er dann als CDU-Slogan verwendet und zum Titel einer großen Steuerreform, die für 1987/88 vorgesehen war, erklärt. In den Folgejahren verschwand die Parole bei der Union.

Auch die SPD bediente sich dieses Mottos. Ex-Parteichef Kurt Beck entwarf 2006 einen programmatischen Beitrag unter der Überschrift „Leistung muss sich wieder lohnen“ als Leitbild eines „vorsorgenden Sozialstaates, der am Leistungsprinzip orientiert ist und der sozialen Zusammenhalt stiftet“. Nachfolgend wurde der Satz von der SPD u. a. in den Wahlkämpfen zur Landtagswahl NRW 2010 und zum 16. Saarländischen Landtag 2017 benutzt.

Die FDP hatte einen etwas anderen Zungenschlag gewählt: Im Bundestagswahlkamp 2009 plakatierte sie „Arbeit muss sich wieder lohnen“.

(Wer sich noch an den Physikunterricht erinnert, weiß, dass Leistung [P] gleich Arbeit [W] pro/durch Zeit [t] ist.)

Arbeitgeber sind oft verunsichert, wie sie mit Betroffenen umgehen sollen. Das Buch gibt ein umfassenden Einblick ins Thema.

Nun gibt es schon seit jeher Ansätze, die Leistung und Vergütung anders als üblich regeln möchten. So ist im Matthäusevangelium beim Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg der Unmut bei vielen groß, als alle Arbeiter – unabhängig von ihrer Leistung – am Ende des Tages jeweils ein Silberstück als Lohn erhalten. Einen solchen Einheitslohn hat auch der Hamburger Getränkeproduzent „Premium“ bereits vor 13 Jahren eingeführt. 15 Euro Stundenlohn bei maximal 40 Stunden die Woche ergeben 2.500 Euro brutto im Monat – vom Geschäftsführer Lübbermann über die Buchhalterin bis zum Lkw-Fahrer. Allerdings funktioniert dies auch nur, weil nicht mit Arbeitnehmern, sondern mit einer Reihe freier Auftragnehmer zusammengearbeitet wird. Weisungsmacht will Lübbermann nicht. Alle gehören zum Kollektiv, alle können mitbestimmen: über Absatz, neue Produkte, Preise. Auch die Käufer können mitdiskutieren und entscheiden. „Wir brauchen eine neue Diskussion darüber, wie viel man braucht, um zufrieden zu sein“, so der Geschäftsführer.

Der Einheitslohn wird sicherlich nicht kommen, aber bei vielen Arbeitgebern ist schon seit einigen Jahren ein Umdenken zu beobachten: So wurde vor ein paar Jahren die individuelle Incentivierung bei Bosch abgeschafft und einige Unternehmen denken durchaus darüber nach, die Boni durch das Team verteilen zu lassen. Damit wäre nach Meinung einiger eine Bedingung für den kulturellen und digitalen Wandel geschaffen – Transparenz. Ein Erfolgsmodell?

Einen leistungsstarken Oktober wünscht

· Artikel im Heft ·

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Seite 561
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