Attraktivität als Arbeitgeber – worauf es Bewerbern ankommt

Bild: pixabay.com
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Die Arbeitswelt hat sich seit Beginn der Corona-Pandemie verändert. Mit welchen langfristigen Entwicklungen Bewerber und HR-Verantwortliche rechnen, hat softgarden in der Umfrage „The New Era of Work – Teil 1: Future of Recruiting“ untersucht. Dafür befragte softgarden von Mai bis August 2021 3.561 Bewerber, die sich aktuell auf eine neue Stelle beworben haben, und 251 HR-Verantwortliche.

Kaum Stellenangebote für Remote Work
Drei Viertel der Bewerber rechnen damit, dass es auch nach Corona ausschlaggebend für die Wahl ihres Arbeitgebers sein wird, remote arbeiten zu können. Das trifft sogar auf fast alle befragten HR-Verantwortlichen (93,5 %) zu. Entsprechende Stellenangebote veröffentlicht jedoch nicht einmal ein Viertel von ihnen, was diese Arbeitgeber attraktiver für Bewerber macht.

Auch die Anforderungen der Interessenten an das Unternehmen haben sich durch die Corona-Pandemie verändert. Besonders deutlich zeigt sich das durch die Erwartung von 84,4 % an eine gute technische Ausstattung. Nur gut drei Viertel der HR-Verantwortlichen sehen ihr Unternehmen in diesem Bereich gut vorbereitet.

Zurück zur Präsenz?
Knapp drei Viertel der Bewerber und 78,1 % der HR-Verantwortlichen nehmen an, dass Bewerbungsgespräche nach der Pandemie wieder in Präsenz stattfinden. Dabei haben die befragten Bewerber durchaus positive Erfahrungen mit digitalen Job-Interviews gemacht. Über 90 % gaben an, Fragen zu Arbeitsinhalten und -bedingungen gut in der Videokonferenz klären zu können. Dies trifft hinsichtlich der Eignung der eigenen harten Qualifikationen auf 86,3 %, hinsichtlich der Rahmenbedingungen, wie Gehalt und Zusatzleistungen, immerhin noch auf 80,5 % zu. Die Frage der Chemie zwischen dem Bewerber und den Unternehmensangehörigen konnten auf diesem Weg nur noch etwas mehr als die Hälfte gut klären. Auf Seite der HR-Verantwortlichen waren es sogar nur 45,1 %. Divergenzen gibt es auch in Bezug auf die Soft Skills. Während knapp drei Viertel der Bewerber angaben, diesbezügliche Fragen auch digital gut klären zu können, waren es lediglich 57,2 % der Recruiter.

Letztere sehen unter anderem die Bereiche visuelle Wahrnehmung, Spontanität und Eindruck vom Arbeitsplatz kritisch. Bewerber hingegen bemängeln besonders häufig das Setting – also angemessene Kleidung, professioneller Bildhintergrund und Datenschutz –, die Technik – also Audio- und Bildqualität, eine gute Internetverbindung sowie die Ausrichtung der Kamera – und das Verhalten der Gesprächspartner – also Pünktlichkeit, deutliche Sprache und Körpersprache.

Fehleinschätzung der Bewerberinteressen
Darüber hinaus gaben die befragten Bewerber an, dass eine offene Kommunikation im Unternehmen, ein gutes Gesundheitsmanagement sowie die Sicherheit im Beschäftigungsverhältnis durch Corona eine größere Rolle für sie spielen. Diese Interessen werden von HR-Verantwortlichen häufig falsch eingeschätzt. So geht nur ein Viertel der Personaler davon aus, dass ein gutes Gesundheitsmanagement im Unternehmen für Bewerber wichtiger geworden ist. Demgegenüber sind es 45,8 % der Jobinteressierten. Im Zuge der Pandemie haben außerdem die digitale Fitness des Arbeitgebers, die Möglichkeit der Remote Arbeit, der verstärkte Einsatz digitaler Werkzeuge und Methoden sowie die Identifikation mit den Produkten des Arbeitgebers an Bedeutung gewonnen.

Fazit
Die HR-Verantwortlichen unterschätzen oftmals, wie wichtig bestimmte Aspekte für potenzielle Mitarbeiter sind. Einigkeit besteht bei dem Großteil beider Gruppen, dass Corona die Arbeitswelt insgesamt und damit auch das Recruiting verändert.

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