Fehlende Kitaplätze, fehlende Arbeitskräfte

Bild: AdobeStock/bgpsh
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In Deutschland fehlen unzählige Kitaplätze. Die Studie „Working Parents & Beyond“, für die Stepstone 2.000 erwerbstätige Eltern mit Kindern unter zehn Jahren befragt hat, zeigt nun die Auswirkungen der Kita-Krise auf den Arbeitsmarkt. Demnach sind 44 % der Eltern nach ihrer Elternzeit mit verkürzter Arbeitszeit wiedereingestiegen. Unter den Müttern waren es sogar fast drei von vier Befragten. Als eine Hauptursache dafür nennt ein Drittel den Mangel an Kinderbetreuungsangeboten und zwei Drittel würden es vorziehen, Vollzeit oder vollzeitnah zu arbeiten.

Lediglich jeder Vierte erfährt von seinem Arbeitgeber Unterstützung in einem Ausmaß, das es ermöglicht, Beruf und Familie vereinbaren zu können. 29 % der Befragten ziehen aus diesem Grund einen Arbeitsplatzwechsel in Erwägung und 40 % haben ihren Job nach der Elternzeit gar nicht wieder angetreten. Jeder Fünfte befürchtet, im Vorstellungsgespräch aufgrund der Kinderbetreuungspflichten benachteiligt zu werden. Im Job schätzt knapp jeder Dritte seine Aufstiegschancen aufgrund der Elternschaft schlechter ein, bei den Müttern sogar fast die Hälfte.

Da wundert es nicht, dass etwa 60 % der befragten Eltern die Verbesserung der Betreuungsangebote und 70 % mehr Flexibilität bei den arbeitsgesetzlichen Vorgaben fordern, um Arbeit und Familie unter einen Hut zu bekommen. Unternehmen sollten diese Forderungen ernst nehmen, da der deutschen Wirtschaft ohnehin Arbeitskräfte fehlen und insbesondere Frauen, die noch immer einen Großteil der Care-Arbeit leisten, diese Lücken zumindest teilweise schließen könnten.

„Es kann nicht sein, dass die fehlende Kindertagesbetreuung auf dem Rücken der Eltern – und vor allem Mütter – ausgetragen wird, die dafür in ihrer Karriere zurückstecken. Deutschland hat hier großen Nachholbedarf. Angesichts knapper Arbeitskräfte und des zunehmenden demographischen Drucks können wir es uns nicht leisten, auf Personal zu verzichten - weil die Betreuung der Kinder nicht gewährleistet ist“, sagt Dr. Tobias Zimmermann, Arbeitsmarktexperte bei The Stepstone Group.

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