So sieht die Arbeitswelt nach Corona aus

Bild: pixabay.com
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Neben allen Einschränkungen und Nachteilen haben sich durch die Corona-Pandemie auch Chancen aufgetan: Verschiedene Modelle flexibler Arbeitszeiten und -orte wurden ungewohnt schnell entworfen und umgesetzt. Doch welche dieser Entwicklungen bleiben auch nach der Pandemie Teil der Arbeitswelt?

Kein Zurück zur alten Normalität
Die repräsentative Umfrage „Arbeitswelt nach Corona“ hat gezeigt, welche der durch die Corona-Pandemie erforderlich gewordenen flexibleren Arbeitsmodelle auch in Zukunft erhalten bleiben. Für die Studie, die der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) in Zusammenarbeit mit der Innovationsberatung Facts and Stories aus Hamburg durchführte, wurden im Juni und Juli 2021 insgesamt 1.070 bevölkerungsrepräsentative Berufstätige aus Deutschland sowie 218 Angehörige von Mitgliedsunternehmen des BVDW anonym online befragt. Im Zentrum standen die Fragen nach der Präferenz der Arbeitgeber und -nehmer hinsichtlich der Arbeitsmodelle in der Zeit nach der Pandemie, die Gründe, die für das Homeoffice oder das Büro sprechen sowie wie gut die Unternehmen auf Remote-Arbeit vorbereitet sind.

Deutliche Unterschiede zwischen digitaler und „klassischer“ Wirtschaft
Erfragt wurden Regelungen und Einstellungen der Beschäftigten und Führungskräfte zu Veränderungen bei Arbeitszeiten und Homeoffice-Regelungen. Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen zeigten sich vor allem bei letzterem. Nur 3 % der Mitarbeiter der digitalen Wirtschaft wünschen sich die Rückkehr zum Präsenz-Modell. Demgegenüber sind es 25 % der bevölkerungsrepräsentativen Befragten. Auch flexible Arbeitsmodelle, wobei allein der Arbeitnehmer entscheidet, ob er im Homeoffice oder im Büro arbeitet, befürworten mit 70 % mehr Befragte aus BVDW-Mitgliedsunternehmen. Bevölkerungsrepräsentativ ist es immerhin noch jeder Zweite. Diese Branchenspezifität schlägt sich auch in den jeweiligen Führungsetagen nieder. 70 % der befragten Führungskräfte von BVDW-Mitgliedsunternehmen streben ein Hybrid-Modell aus Zeiten in Präsenz, im Homeoffice und mobilen Arbeitens an, wobei die Arbeitnehmer innerhalb festgelegter Grenzen selbst entscheiden können, wann sie in Präsenz und wann im Homeoffice oder mobil arbeiten. Aus dieser Gruppe wollen lediglich 7 % eine Rückkehr in den Präsenz-Betrieb. Dagegen sind es bei den bevölkerungsrepräsentativen Befragten etwa 40 %.

Die häufigste Begründung für die Bevorzugung der Arbeit im Homeoffice sind

  • der Wegfall des Pendelns sowie
  • die bessere Vereinbarkeit mit dem Privatleben, dicht gefolgt von
  • besserer Konzentration bzw. mehr Ruhe und
  • größere Flexibilität bei den Arbeitszeiten.

Dagegen motivieren neben dem persönlichen Kontakt zu Kollegen auch die Trennung von Arbeits- und privatem Umfeld besonders zur Rückkehr in das Büro.

Teammotivation und ständige Erreichbarkeit sind problematisch
Insbesondere Mitarbeiter (86 %) und Führungskräfte (99 %) in BVDW-Mitgliedsunternehmen sehen ihre Arbeitgeber gut für das Remote-Arbeiten ausgestattet. Auch unter den bevölkerungsrepräsentativ ausgewählten Beschäftigten sind 72 % der Arbeitnehmer und 81 % der Führungskräfte der Meinung, ihr Unternehmen ist ausreichend gut auf das Arbeiten außerhalb des Büros vorbereitet. Allerdings sieht sich nur etwa die Hälfte der Beschäftigten selbst als gut vorbereitet an. Handlungsbedarf wird von einem Drittel der Befragten bei der Teammotivation in der Remote-Arbeit und immerhin noch von etwa der Hälfte bei der Teamführung, Management Performance und digitalen Kommunikation gesehen. Von den Führungskräften sehen sogar 91 % in der Teammotivation ein Problemfeld.
Als heikel wird außerdem die ständige Erreichbarkeit angesehen. 41 % der Beschäftigten in BVWD-Mitgliedsunternehmen haben das Gefühl, im Homeoffice ständig erreichbar sein zu müssen, was laut einem Viertel der Führungskräfte von ihnen auch tatsächlich erwartet wird. 88 % der Mitarbeiter fordern entsprechend eine Regelung hinsichtlich dieser Kultur der ständigen Erreichbarkeit.

Mitarbeiterzufriedenheit ist ausschlaggebend
Als Hauptkriterium für die Wahl des im Unternehmen aktuell eingesetzten Arbeitsmodells gaben die Führungskräfte der BVDW-Mitgliedsunternehmen mit 38 % die Zufriedenheit der Mitarbeiter an, gefolgt von der Produktivität mit 27 %. Darin und in der Work-Life-Balance sehen sowohl Führungskräfte als auch Mitarbeiter in BVDW-Mitgliedsunternehmen die Stärken eines hybriden Modells. Als Schwachpunkte sehen sie die nicht ganz klare Trennung von Arbeit und Privatleben, das erschwerte Vermitteln bzw. Leben einer Unternehmenskultur sowie die Gefahr, dass das Gefühl der Zugehörigkeit zu einem Team verloren geht.
Diese Gruppen bevorzugen mit 76 bzw. 56 % gegenwärtig ein flexibles Modell, wobei dieselben Stärken wie beim hybriden Modell angegeben wurden. Hinsichtlich der Schwächen kommt hier mangelnde Kommunikation und der fehlende intensive Austausch vor Ort untereinander hinzu. Diese Kriterien sind es, die an einem Präsenzmodell folglich besonders geschätzt werden.

Fazit
Der Wandel zum „New Normal“ wird beeinflusst durch Vorstellungen und Wünsche der Mitarbeiter. Die Arbeitswelt wird auch nach dem Ende der Corona-Pandemie flexiblere Modelle bereithalten. „Es wird […] kein Zurück zur alten Normalität vor der Pandemie geben“ kommentiert der stellvertretende Vorsitzende des BVDW-Ressorts „Arbeitswelt der Zukunft“ Marcus Merheim (DEBA) die Ergebnisse.

Lesen Sie zu diesem Thema folgenden Artikel aus AuA 3/21:

Das BMAS hat Ende Januar eilig die befristete SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung (Corona-ArbSchV) im Bundesanzeiger veröffentlicht. Zuvor haben die...

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